Ausschuss und Probedrucke in die 3D-Druck-Kalkulation einrechnen
09.10.2026
Eine belastbare Angebotskalkulation trennt einmalige Probedrucke von wiederkehrendem Ausschuss. Mit einer dokumentierten Ausschussquote, passenden Prozesskosten und einem transparenten Beispiel lässt sich der Zuschlag begründen, ohne Ausschuss doppelt einzupreisen.
Zwei verschiedene Kostenarten
Ein Probedruck ist nicht automatisch Ausschuss. Er kann eine geplante, einmalige Ausgabe sein – etwa zur Passungsprüfung, zur Freigabe einer neuen Orientierung oder zur Ermittlung eines Prozessfensters. Ausschuss entsteht dagegen, wenn ein regulär kalkulierter Fertigungsversuch kein verwendbares Teil liefert. Diese Unterscheidung verhindert, dass dieselben Versuche zugleich als Entwicklungsleistung und als Ausschusszuschlag berechnet werden. Maschinen-, Arbeits- und Materialaufwand gehören in die Stückkostenbasis; bei einem konkreten Auftrag kommen je nach Verfahren weitere Positionen hinzu.
Ausschussquote aus eigenen Auftragsdaten ableiten
Ermitteln Sie die Quote für vergleichbare Teile und Bedingungen: Ausschussquote f = nicht verwendbare Druckversuche ÷ alle gestarteten Druckversuche. Zählen Sie einen abgebrochenen oder fehlerhaften Build nach einer vorher festgelegten Regel; mischen Sie nicht ungeprüft unterschiedliche Materialien, Maschinen, Geometrien oder Prozessreifegrade. Bei mehreren Teilen pro Build muss außerdem klar sein, ob die Quote ganze Builds oder einzelne Teile beschreibt. Ein fehlgeschlagener Resin-Druck kann beispielsweise Tankreinigung und verlorenes Material nach sich ziehen; deshalb ist eine reine Harzmenge pro Gutteil nicht immer die ganze Verlustrechnung. [Formlabs](https://dental.formlabs.com/white-papers/total-cost-ownership-dental-labs-aligner-manufacturers/)
Erwartete Stückkosten statt pauschalem Aufschlag
Wenn jeder Fertigungsversuch im Mittel K Euro kostet und die Ausschussquote f beträgt, gilt unter der Annahme vergleichbarer, unabhängiger Versuche: erwartete Kosten pro Gutteil = K ÷ (1 − f). Bei zehn Prozent Ausschuss wird also durch 0,90 geteilt – nicht einfach zehn Prozent zu K addiert. K sollte die Kosten eines Versuchs abbilden: Material einschließlich Stützstrukturen und tatsächlich nicht wiederverwendbarem Verlust, belegte Maschinenzeit, anteilige Vor- und Nachbereitung sowie gegebenenfalls Prüfung. Die Bauzeit ist ein eigener Kostentreiber und sollte deshalb in K nicht fehlen.
Beispiel: zwölf Gutteile und ein separater Probedruck
Angenommen, ein regulärer Versuch kostet einschließlich Maschinenzeit, Material und durchschnittlicher Bearbeitung 18 Euro. Die dokumentierte Ausschussquote vergleichbarer Aufträge liegt bei zehn Prozent. Für zwölf erwartete Gutteile ergeben sich erwartete Fertigungskosten von 12 × 18 € ÷ 0,90 = 240 €. Ein zusätzlich gewünschter Probedruck zur Kundenfreigabe kostet in diesem Beispiel 36 Euro und wird als eigene Position angesetzt: 240 € + 36 € = 276 €, also rechnerisch 23 Euro je Gutteil bei einer Verteilung auf diese Zwölf. Das ist ein Erwartungswert, keine Zusage, dass genau 13,33 Versuche stattfinden; real entstehen ganze Druckaufträge, und die tatsächlichen Kosten können abweichen. Marge, Umsatzsteuer und Versand sind darin noch nicht enthalten.
Angebot und Grenzen transparent halten
Weisen Sie kundenspezifische Prototypen, Muster oder Freigabedrucke separat aus, sofern sie ausdrücklich bestellt werden. Ist die Entwicklung Teil eines späteren Serienauftrags, legen Sie vorab fest, ob und ab welcher Bestellmenge die einmaligen Kosten anteilig verrechnet werden. Den Ausschusszuschlag dagegen in der internen Stückkostenrechnung kalkulieren und nicht zusätzlich als zweite pauschale Position auf denselben Aufwand schlagen. Aktualisieren Sie die Quote nach Prozessänderungen und weisen Sie bei dünner Datenbasis eine Annahme oder einen Korridor aus statt scheinpräziser Prozentwerte. Eine Kostenstudie, die kleine bis mittlere FDM-Losgrößen modelliert, ist keine universelle Tarifliste: Übertragen Sie Zahlen nicht ungeprüft auf andere Materialien, Druckverfahren oder Losgrößen. Die Formel schätzt Erwartungskosten; sie ersetzt weder eine Prüfung von Toleranzen und Qualitätsanforderungen noch eine Vereinbarung darüber, wer zusätzliche Entwicklungsiterationen bezahlt.