CAD-Muster für wiederkehrende Lochbilder: vom Bohrpunkt zum parametrischen Muster
09.10.2026
Ein sauberes Lochbild beginnt mit einem eindeutig positionierten Bohrpunkt. Danach entscheidet die Modellierungsstrategie: Punkte im Sketch vervielfältigen oder ein fertiges Bohrungs-Feature mustern. Der Leitfaden zeigt, wie Sie Abstände und Instanzzahl verständlich festlegen und das Ergebnis vor der Weitergabe prüfen.
Erst das Lochbild definieren, dann das Muster wählen
Bevor Sie eine Musterfunktion starten, legen Sie fest, was das Lochbild leisten soll: gleichmäßige Reihe, zweidimensionales Raster oder wiederkehrende Bohrungen an einer bereits definierten Kontur. Notieren Sie für die Skizze die Bezugskante oder den Ursprung, die Anzahl der Löcher und den Sollabstand. So bleibt klar, worauf die Bemaßung bezogen ist. Ein robuster Startpunkt ist ein einzelner sauber positionierter Mittelpunkt. Im Onshape-Hole-Feature wird das Lochzentrum an einem gewählten Sketchpunkt ausgerichtet ([Onshape: Hole](https://cad.onshape.com/help/Content/PartStudio/hole.htm)). Damit lässt sich die Lage zunächst unabhängig von der späteren Wiederholung festlegen. Prüfen Sie außerdem, dass der Startpunkt auf der vorgesehenen Fläche beziehungsweise Bezugsebene liegt; die Lage der Punkte allein sagt noch nichts darüber aus, ob die gewählte Bohrung die gewünschte Tiefe oder das richtige Ende erhält.
Sketch-Muster oder Feature-Muster?
Die Wahl hängt davon ab, was Sie wiederholen möchten. Ein Sketch-Muster vervielfältigt Skizzengeometrie in einer oder zwei Richtungen ([Onshape: Linear Sketch Pattern](https://cad.onshape.com/help/Content/Sketch/sketch_linear_pattern.htm)). Das eignet sich, wenn mehrere Lochzentren gemeinsam die Eingabe für die nachfolgende Bohrungsfunktion bilden sollen. Alternativ können Sie erst ein Bohrungs-Feature anlegen und dieses als Feature mustern. Onshape beschreibt ein Feature-Muster als Wiederholung eines oder mehrerer ausgewählter Features ([Onshape: Linear Pattern](https://cad.onshape.com/help/Content/PartStudio/linear_pattern.htm)). Das trennt die Definition der Bohrung – etwa Durchmesser und Endbedingung – von ihrer Verteilung. Für ein einfaches, einheitliches Lochbild ist beides plausibel: Wählen Sie den Sketch-Ansatz, wenn die Punktanordnung selbst im Vordergrund steht; wählen Sie das Feature-Muster, wenn das einzelne Bohrungs-Feature Ihr bewusst gewähltes Seed ist. Vermischen Sie die Ansätze nicht unnötig, sonst wird schwerer erkennbar, wo eine Änderung der Anordnung gepflegt werden muss.
Abstand und Anzahl ohne Off-by-one-Fehler setzen
Verwechseln Sie den Abstand benachbarter Instanzen nicht mit der Gesamtlänge des Lochbilds. Bei sechs Löchern mit 20 mm Abstand liegen zwischen dem ersten und dem letzten Mittelpunkt fünf Intervalle; die Gesamtausdehnung der Mittelpunkte beträgt daher 5 × 20 mm = 100 mm. Das ist eine einfache Plausibilitätsrechnung, bevor Sie die Skizze bemaßen oder die Musterparameter eingeben. Bei einem Sketch-Muster kann der Abstand zwischen Elementen direkt festgelegt werden ([Sketch-Muster-Hilfe](https://cad.onshape.com/help/Content/Sketch/sketch_linear_pattern.htm)). Für das lineare Feature-Muster weist Onshape ausdrücklich darauf hin, dass die Instanzzahl das ursprüngliche Seed einschließt ([Feature-Muster-Hilfe](https://cad.onshape.com/help/Content/PartStudio/linear_pattern.htm)). Für sechs Bohrungen geben Sie deshalb sechs Instanzen inklusive Startbohrung an, nicht eine Startbohrung plus sechs Kopien. Prüfen Sie nach dem Erzeugen die tatsächliche letzte Position anhand der Rechnung.
Ein konkreter Arbeitsablauf für eine Lochreihe
Für eine Lochreihe in einer Platte können Sie schrittweise vorgehen: 1. Legen Sie eine Skizze auf der vorgesehenen Fläche oder Ebene an und setzen Sie den Mittelpunkt des ersten Lochs mit Bezug zu einer Kante oder zum Ursprung. 2. Erstellen Sie die gewünschte Bohrung am Punkt. Kontrollieren Sie Durchmesser, Start und Endbedingung separat von der Musteranordnung. 3. Entscheiden Sie, ob die Lochmittelpunkte als Skizzengeometrie wiederholt werden sollen oder ob Sie stattdessen das Bohrungs-Feature mustern. 4. Richten Sie die Musterachse an einer eindeutig erkennbaren Kante oder Konstruktionsrichtung aus. Geben Sie den Nachbarabstand und die Gesamtzahl einschließlich Seed ein. 5. Vergleichen Sie die letzte Mittelpunktposition mit der Sollausdehnung und kontrollieren Sie im Modell, ob alle Instanzen die richtige Fläche schneiden. Diese Reihenfolge macht die Ursache eines Fehlers leichter auffindbar: Liegt das Loch falsch, prüfen Sie zuerst den Seed; stimmt die erste Bohrung, aber nicht die Verteilung, prüfen Sie Richtung, Abstand und Anzahl.
Grenzen und Kontrolle
Eine Musterfunktion spart Wiederholung, ersetzt aber keine Konstruktionsprüfung. Ein gleichmäßiger Abstand garantiert weder ausreichenden Randabstand noch ausreichende Stegbreite zwischen den Löchern. Prüfen Sie deshalb die Abstände zu Außenkanten, benachbarten Ausschnitten und anderen Features anhand der funktionalen Anforderungen Ihres Bauteils. Auch die Bohrungstiefe beziehungsweise Endbedingung ist getrennt zu kontrollieren; eine korrekt vervielfältigte Bohrung kann für die konkrete Geometrie trotzdem unpassend sein. Bei Lochbildern mit ausgelassenen Positionen, wechselnden Abständen oder unterschiedlichen Bohrungsarten ist ein einziges uniformes Muster möglicherweise nicht die verständlichste Beschreibung. Teilen Sie solche Bereiche in nachvollziehbare Gruppen oder positionieren Sie Ausnahmen bewusst separat. Wichtig ist, dass eine spätere Änderung der Lochzahl nicht unbemerkt die Bezugslage oder die gewünschte Gesamtausdehnung verändert.