Deutsche und englische 3D-Druck-Fachbegriffe richtig zuordnen
08.10.2026
Viele Anleitungen und Slicer mischen deutsche und englische Begriffe. Wer Prozessnamen und Einstellungen getrennt betrachtet, findet schneller die passende Funktion und vermeidet missverständliche Wort-für-Wort-Übersetzungen.
Warum zwei Wörterbücher oft nicht genügen
Im 3D-Druck begegnen Einsteigerinnen und Fachleuten englischen Menüpunkten, deutschen Erklärungen und Abkürzungen im selben Arbeitsablauf. Eine brauchbare Zuordnung ist deshalb nicht immer „englisches Wort = deutsches Wort“. Standards und Fachinstitutionen ordnen Begriffe auch nach Verfahren, Material oder Funktion. ASTM beschreibt Terminologie ausdrücklich als Zusammenspiel von Begriffen, Definitionen, Nomenklatur und Akronymen; NIST gliedert Technologien in Prozessklassen. Das ist hilfreich, weil ein wörtlich übersetzter Name den technischen Zusammenhang nicht automatisch erklärt. Für die Praxis lohnt sich ein persönliches Glossar mit drei Spalten: Originalbegriff aus Anleitung oder Software, deutsche Bedeutung im konkreten Zusammenhang und gegebenenfalls die gebräuchliche Abkürzung. So lässt sich später sowohl in deutschen Foren als auch in englischen Handbüchern gezielt suchen.
Verfahren: Abkürzungen beibehalten, Bedeutung ergänzen
Bei Prozessnamen ist es meist sinnvoll, die geläufige Kurzform stehen zu lassen und sie bei der ersten Nennung zu erläutern. FDM steht für „fused deposition modeling“, FFF für „fused filament fabrication“; beide Bezeichnungen werden für Filamentdruck beziehungsweise Materialextrusion verwendet. Für den Harzdruck begegnet SLA, „stereolithography“, neben der übergeordneten Bezeichnung „vat photopolymerization“. NIST verwendet außerdem Klassen wie „powder bed fusion“ (Pulverbettfusion), „directed energy deposition“ (gerichtete Energieeinbringung), „binder jetting“ (Bindemittelauftrag) und „material jetting“ (Materialauftrag). Diese deutschen Fassungen sind verständliche Übersetzungen der Klassennamen, aber keine Garantie, dass jede Maschine oder jedes Verfahren innerhalb einer Klasse identisch arbeitet. In technischen Texten daher Kürzel und Prozessfamilie nennen, statt aus einer einzelnen Abkürzung alle Details abzuleiten.
Im Slicer: Infill, Brim und Support auseinanderhalten
Drei englische Wörter tauchen besonders häufig in Slicer-Menüs auf. „Infill“ ist die innere Füllung eines Bauteils; je nach Oberfläche oder Dokumentation heißt das auf Deutsch auch Füllung oder Füllstruktur. Es ist nicht dasselbe wie die Außenwand beziehungsweise der Perimeter. Die konkrete Rolle der Füllung hängt von Geometrie und Einstellungen ab. Ein „brim“ lässt sich als Rand oder Haftungskrempe an der ersten Schicht erklären: Zusätzliche Linien verbreitern die Auflagefläche und sollen die Betthaftung verbessern. „Support“ oder „support material“ meint dagegen Stützstruktur beziehungsweise Stützmaterial. Im Slicer wird es für Geometrien erzeugt, die sonst ohne Unterlage in der Luft starten würden. Beim Lesen einer Einstellung also nicht alle Wörter mit „Stütze“ übersetzen: Infill stützt innere oder obere Bereiche, Support ist die gezielt erzeugte Druckhilfe und Brim gehört zur ersten Schicht.
Die Begriffe im Arbeitsablauf lesen
Ein Beispiel zeigt, warum der Zusammenhang zählt. Eine englische Anleitung könnte fordern: „slice the model, add supports, and increase infill“. Gemeint ist: das Modell mit einem Slicer für den Druck in Schichten aufbereiten, benötigte Stützstrukturen hinzufügen und die innere Füllung anpassen. „Slice“ ist hier keine Aufforderung, das CAD-Modell geometrisch zu zerschneiden, sondern der Vorbereitungsschritt, der aus Modell und Einstellungen schichtweise Druckanweisungen erzeugt. Auch „material extrusion“ und „FDM/FFF“ sollte man nicht blind als perfekte Synonyme behandeln: Ersteres ist eine Verfahrensklasse, während FDM und FFF gebräuchliche Verfahrensbezeichnungen sind. Für die schnelle Orientierung reicht die Zuordnung oft; bei Materialdaten, Maschinenparametern oder einer Fehleranalyse ist die genaue Verfahrensbeschreibung wichtiger.
Eine robuste Übersetzungsroutine
Beim Übersetzen helfen vier Schritte: Erst das Wort im Satz und im Programmkontext lesen; dann klären, ob ein Verfahren, ein Bauteil oder eine Einstellung gemeint ist; Abkürzungen wie FDM, FFF und SLA beibehalten und ausschreiben; schließlich eine Funktion statt einer bloßen Wortentsprechung angeben. Ein Glossareintrag könnte lauten: „Brim — zusätzlicher Linienrand an der ersten Druckschicht zur Unterstützung der Haftung am Druckbett“. Begriffe können sich zwischen Herstellern, Slicern und Fachgebieten unterscheiden. Die genannten Zuordnungen sind Orientierung für typische Beschreibungen, keine verbindliche Normübersetzung für jeden Vertrag, jede Maschine oder jede technische Spezifikation. Wenn ein Parameter entscheidend ist, sollte die Definition des jeweiligen Herstellers oder einer einschlägigen Norm im Originalkontext geprüft werden.