DMLS und SLM: Begriffe bei Metallangeboten einordnen
09.10.2026
DMLS und SLM sind im Metallangebot Begriffe für laserbasierte Pulverbettfertigung. Für den Vergleich zählen Werkstoff, Nacharbeit und Prüfungen – das Prozesskürzel allein legt diese Leistungen nicht fest.
Zwei Kürzel, ein Grundprinzip
Wer Metallteile additiv fertigen lässt, begegnet häufig den Kürzeln DMLS und SLM. Beide werden im Angebotsalltag für laserbasierte Verfahren mit Metallpulver verwendet. EOS beschreibt DMLS als schichtweisen Ablauf: Eine Pulverschicht wird aufgetragen und ein Laser schmilzt Pulver an den vom CAD-Modell definierten Stellen. LPBF bezeichnet dabei die Prozessfamilie, nicht automatisch eine bestimmte Maschine, Legierung oder Teilequalität. SLM steht für Selective Laser Melting. Anbieter verwenden teils SLM, teils DMLS, teils LPBF für ähnliche laserbasierte Metall-Pulverbettprozesse. Die Begriffe sind dennoch keine verlässlichen Qualitätsklassen: Aus dem Kürzel allein lässt sich weder eine garantierte Dichte noch eine bestimmte Festigkeit oder Genauigkeit ablesen. Anbieterwortwahl kann variieren.
Was ein Angebot nicht verrät
Ein Eintrag wie „SLM Edelstahl“ beschreibt den Prozess nur grob. Er sagt für sich genommen nicht, welche konkrete Legierung verarbeitet wird, wie das Teil orientiert oder abgestützt wird, welche Toleranzen gelten oder ob eine Wärmebehandlung vorgesehen ist. Auch gleiche Kürzel bedeuten nicht automatisch identische Maschinenparameter und gleiche Abnahmebedingungen. Praktisches Beispiel: Bei zwei Angeboten für eine Halterung aus Edelstahl kann eines nur den Druck des Rohteils umfassen, während das andere zusätzlich Stützstrukturentfernung, Bearbeitung von Funktionsflächen und eine Maßprüfung einschließt. Das zweite kann deshalb trotz ähnlicher Prozessbezeichnung einen anderen Leistungsumfang haben. Vergleichen Sie Position für Position, nicht nur den Preis pro Volumen oder das Verfahren im Betreff.
Werkstoff und Spezifikation konkretisieren
Lassen Sie im Angebot die Legierung ausdrücklich benennen – idealerweise mit einer eindeutigen Werkstoffbezeichnung oder Normreferenz – und klären Sie, welche Anforderungen an das fertige Bauteil gelten. ASTM F3184 behandelt Edelstahl-Komponenten aus UNS S31603, hergestellt mittels laser- oder elektronenstrahlbasiertem Full-Melt-Pulverbettverfahren. Das zeigt, wie eng eine Vorgabe auf einen Werkstoff und Prozess bezogen sein kann: Ein allgemeines Prozesskürzel ersetzt keine Werkstoffspezifikation. Fragen Sie bei funktionskritischen Teilen nach zugesagten Kennwerten und deren Prüfgrundlage. Benennen Sie konkret, was relevant ist: etwa Maßtoleranz an einer Passfläche, Oberflächenzustand oder ein vereinbarter mechanischer Kennwert. Ob eine bestimmte Norm passt, hängt von Werkstoff und Anwendung ab.
Nacharbeit und Prüfungen als Leistungsumfang
„Gedruckt“ bedeutet nicht zwangsläufig „fertig zur Montage“. Die ASTM beschreibt Nacharbeit als nicht zwangsläufig, und nennt für ihre Edelstahl-Komponenten unter anderem Bearbeitung, Schleifen, Funkenerosion oder Polieren als mögliche Schritte, um gewünschte Oberflächen und kritische Maße zu erreichen. Welche Schritte nötig sind, richtet sich nach Zeichnung und Funktion; daraus folgt nicht, dass jedes Bauteil all diese Arbeiten benötigt. Klären Sie deshalb, ob das Angebot Rohteil, entpulvertes Teil oder ein fertig bearbeitetes Bauteil umfasst. Fragen Sie auch, welche Prüfung enthalten ist – etwa Sichtprüfung, Maßprotokoll oder zusätzliche Werkstoff-/Bauteilprüfung – und ob ein Prüfbericht mitgeliefert wird. Nicht ausdrücklich Vereinbartes sollte nicht stillschweigend als inklusive gelten.
Kurze Checkliste für den Angebotsvergleich
Für eine belastbare Gegenüberstellung sollten mindestens folgende Punkte schriftlich feststehen: - exakte Legierung und Zustand des gelieferten Materials; - vereinbarte Prozessroute und Bauteilorientierung, falls relevant; - Lieferzustand sowie enthaltene Entstützung, Wärmebehandlung und spanende Nacharbeit; - Zeichnungsmerkmale mit Toleranzen und Oberflächenanforderungen; - Umfang der Prüfung, Akzeptanzkriterien und Dokumentation; - Preispositionen, Lieferzeit und Umgang mit Abweichungen. Ein sachgerechtes Metallangebot macht aus dem Kürzel eine überprüfbare Leistung: Es nennt Material, Endzustand und Abnahmekriterien. DMLS und SLM helfen beim Einordnen der Fertigungsroute – sie ersetzen diese Angaben nicht.