Eigenfertigung und Fremdvergabe mit denselben Kostenannahmen vergleichen
09.10.2026
Ein belastbarer Make-or-buy-Vergleich für den 3D-Druck stellt Eigenfertigung und Fremdvergabe auf dieselbe Stückzahl, denselben Prozessumfang und dieselben Kostenannahmen. Entscheidend sind neben Material auch Maschinenzeit, Arbeit, Vor- und Nachbereitung sowie Auslastung.
Erst den Vergleichsrahmen festlegen
Ein Eigenfertigungsangebot und ein Dienstleisterpreis sind erst vergleichbar, wenn sie dieselbe Aufgabe abdecken. Legen Sie zuerst CAD-Version, Material und Verfahren, Stückzahl, Qualitätsanforderungen, Liefertermin und den Endzustand des Teils fest. Soll die Oberfläche gestrahlt oder anderweitig nachbearbeitet sein? Gehören Prüfung, Verpackung und Versand dazu? Die Arizona State University bezieht geschätzte Druckzeit sowie Vor- und Nachbearbeitung in ihre Auftragskalkulation ein. Damit wird klar, warum ein bloßer Maschinen- oder Materialpreis noch kein vollständiger Fremdvergleich ist. Halten Sie auch fest, welche Positionen beide Seiten übernehmen – etwa Konstruktion, Einrichten, Entfernen von Stützmaterial und Qualitätskontrolle – und welche nicht. Ein abweichender Leistungsumfang ist keine Kostenersparnis, sondern eine andere Leistung.
Eine gemeinsame Kostenliste statt zweier Rechenweisen
Nutzen Sie für beide Wege dieselben Zeilen: Material samt nicht wiederverwendbarem Anteil, Maschinenbelegung, bezahlte Arbeitszeit, Verbrauchsmaterial, Strom, Vor- und Nachbearbeitung, Ausschuss oder Wiederholungsdruck und Logistik. Das ist keine Behauptung, jeder Dienstleister rechne jede Zeile separat ab; externe Preise können als Pauschale kommen. Die Liste dient dazu, den Pauschalpreis dem gleichen Leistungsumfang zuzuordnen. ASU führt Maschinenzeit, Arbeit und Verbrauchsmaterial als Kostenfaktoren auf. Formlabs weist bei seiner SLS-Kalkulation zudem darauf hin, dass Material allein Arbeit und Strom ausblendet. Beim Dienstleister lassen sich enthaltene Leistungen aus dem Angebot übernehmen und fehlende Positionen als Zusatzkosten markieren. Bei der Eigenfertigung sind die eigenen Zeit- und Materialansätze offenzulegen. So wird vermieden, einen externen Vollpreis mit einem internen Rohmaterialpreis zu vergleichen.
Für SLS dieselbe Packungs- und Pulverannahme verwenden
Bei SLS genügt es nicht, nur das Bauteilvolumen zu vergleichen. Orientierung und Packungsdichte bestimmen mit, wie viele Teile in einen Bau passen; zusätzlich wirkt sich die Pulverauffrischrate auf den Materialansatz aus. Formlabs nennt Auffrischrate, Packungsdichte und Pulverpreis als Einflussgrößen seiner SLS-Materialkalkulation. Fragen Sie deshalb beim Dienstleister, welche Stückzahl pro Bau und welche Materialannahmen seinem Preis zugrunde liegen. Stellen Sie diesen Wert nicht unbesehen einer Eigenfertigung gegenüber, die einen anders gepackten Bau oder eine andere Wiederverwendung des Pulvers annimmt. Die Studie von Baumers und Mitautoren zeigt in ihrem Modell, dass das Mischen verschiedener Geometrien bei voller Kapazität die Stückkosten gegenüber einem Bau mit nur einer Geometrie senken kann. Für Ihre Kalkulation heißt das: angesetzte Auslastung und Teilemix nennen – nicht stillschweigend die volle Kammer der einen Variante und den Einzelauftrag der anderen verwenden.
Ein kleines Szenario sauber normalisieren
Nehmen wir als rein methodisches Beispiel eine wiederkehrende Serie eines funktionalen Halters. Es werden keine tatsächlichen Marktpreise oder Messergebnisse unterstellt. Stellen Sie auf beiden Seiten dieselbe Zahl abnahmefähiger Teile gegenüber und rechnen Sie jeweils bis zum identischen Zustand nach der Nachbearbeitung. Für Eigenfertigung erfassen Sie, wie viel Bedienzeit anfällt, welche Baukapazität die Serie beansprucht und welche Arbeit nach dem Druck bleibt. Für Fremdvergabe ordnen Sie den Angebotspreis derselben Menge und denselben Arbeitsschritten zu; ergänzen Sie Transport oder eine nicht enthaltene Prüfung separat. Wenn die Serienmenge nicht die ganze Baukapazität ausfüllt, dokumentieren Sie, ob andere Geometrien mitproduziert werden könnten. Die Forschungsarbeit behandelt Auslastung, Zusatzschritte und Baufehler als Bestandteile der Kostenbetrachtung. Vermerken Sie daher für beide Wege dieselbe Ausschussannahme und denselben Umgang mit Wiederholungen. Erst danach teilen Sie die jeweilige Summe durch die Zahl der spezifikationsgerechten Teile.
Annahmen sichtbar machen und Entscheidung absichern
Führen Sie neben dem Ergebnis eine kurze Annahmenliste: Angebotsdatum, Materialpreis, geplante Auslastung, Zeitansatz für Bedienung, Nacharbeit, Ausschussregel und Lieferumfang. Das ist besonders wichtig, wenn eine Annahme die Rangfolge ändern kann. Rechnen Sie dafür eine niedrige und eine hohe Auslastung durch, statt eine unsichere Belegung als sichere Einsparung zu verbuchen. Prüfen Sie außerdem, ob Designänderungen oder zusätzliche Prozessschritte auf einer Seite mitgerechnet und auf der anderen vergessen wurden. Die Quellen liefern keine universelle Schwelle, ab welcher Stückzahl Eigenfertigung günstiger ist: ASU weist auf technologiespezifische Maschinen- und Materialkosten hin, und die SLS-Studie modelliert die Wirkung der Auslastung. Deshalb sollte das Ergebnis als Vergleich unter benannten Bedingungen gelesen werden, nicht als allgemeine Regel für alle Drucker, Materialien oder Dienstleister.