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Falltests für Gehäuseprototypen reproduzierbar gestalten

09.10.2026

Wer Gehäuseprototypen vergleichen will, sollte nicht nur eine Fallhöhe notieren. Entscheidend sind ein passendes Prüfszenario, ein festgelegter Aufschlag und ein dokumentierter Aufbau. Standards für Geräte und Transportverpackungen beschreiben unterschiedliche Situationen; ein einfacher Werkstattversuch ist deshalb nicht automatisch ein Normtest.

Zuerst das Szenario festlegen

Ein Falltest beantwortet nur dann eine brauchbare Frage, wenn klar ist, welche Situation er abbilden soll. Die IEC beschreibt in 60068-2-31:2008 raue Handhabungsschocks für vorwiegend geräteartige Prüflinge. Sie grenzt das Verfahren ausdrücklich von Stößen während des Transports als lose Ladung ab. Für ein Elektronikgehäuse, das bei Wartung vom Tisch rutschen könnte, kann ein freier Fall ein sinnvolles Entwicklungsmodell sein; für eine verpackte Sendung ist es nicht automatisch die passende Prüfung. Ein interner Vergleichstest ist zudem nicht allein deshalb ein Normtest, weil eine Fallhöhe gewählt wurde. [IEC 60068-2-31](https://webstore.iec.ch/en/publication/516)

Prüfling und Aufbau einfrieren

Vor dem ersten Versuch wird ein Prüfblatt angelegt: Bauteilversion, Druckdatei, Materialcharge, Druckausrichtung, Wand- und Deckelaufbau, Verschlüsse, Schrauben, Masse und Zustand des Gehäuses. Dazu kommen Fallhöhe, Auftrefffläche und der Zustand des Untergrunds. Das ist eine praktische Kontrollliste, keine behauptete Normvorgabe. Für einen Vergleich zwischen zwei Deckelvarianten sollten alle anderen Größen gleich bleiben; andernfalls lässt sich ein Unterschied im Ergebnis nicht sicher dem Deckel zuschreiben. NIST beschreibt seinen modularen Fallturm als konfigurierbar hinsichtlich Impaktormasse, Geometrie, Fallhöhe, Prüfling und Vorrichtung. Das verdeutlicht, warum „Falltest“ allein noch keine vollständige Versuchsbeschreibung ist. [NIST: Instrumented Drop Tower](https://www.nist.gov/publications/instrumented-drop-tower-impact-and-stab-testing)

Auftrefflage präzise definieren

Notiere, welche Fläche oder Ecke zuerst auftrifft, wie das Gehäuse ausgerichtet wird und woran diese Lage vor dem Loslassen geprüft wird. Ein Foto mit markierter Kante oder eine einfache Positionierlehre kann die Wiederholung erleichtern. Die IEC führt freie Fall- und Umsturzprüfungen als getrennte Prüfformen auf; bei einem Prototypentest sollte deshalb auch die gewählte Bewegungsart festgeschrieben sein. NIST hebt bei seinem Fallturm die Ausrichtung des Impaktors und eine wiederholbare Auftreffstelle hervor. Für ein kleines Gehäuse ist die praktische Entsprechung: dieselbe markierte Ecke, dieselbe Orientierung und derselbe Freigabepunkt, nicht ein ungefähr ähnlicher Wurf von Hand. [IEC](https://webstore.iec.ch/en/publication/516), [NIST-Fallturm](https://www.nist.gov/laboratories/tools-instruments/4-m-drop-tower-instrumented-impactor)

Vergleiche sauber aufsetzen

Ein konkretes Beispiel: Für den Deckel eines kleinen Sensorgehäuses soll geprüft werden, ob eine geänderte Rastnase die Ecke besser schützt. Lege vorab eine Auftreff-Ecke, Fallhöhe und Auswertung fest. Drucke mehrere Exemplare je Variante mit identischen Einstellungen und ordne jedem Teil eine Kennung zu. Bei einer Vergleichsreihe erhält jedes Exemplar denselben definierten ersten Aufprall; soll dagegen die fortschreitende Schädigung untersucht werden, wird ein einzelnes Exemplar wiederholt belastet und jeder Aufprall als Teil derselben Schadensgeschichte dokumentiert. Diese beiden Fragen nicht zu vermischen, verhindert, dass eine bereits angerissene Schale wie ein frischer Prüfling behandelt wird. Die Wiederholbarkeit der Auftreffstelle und die Konfigurierbarkeit des Aufbaus sind auch in den NIST-Beschreibungen zentrale Merkmale kontrollierter Fallprüfungen. [NIST-Fallturm](https://www.nist.gov/laboratories/tools-instruments/4-m-drop-tower-instrumented-impactor), [NIST-Bericht](https://www.nist.gov/publications/instrumented-drop-tower-impact-and-stab-testing)

Ergebnis und Grenzen protokollieren

Halte nach jedem Aufprall mindestens fest: Bruch oder Riss, gelöste Verbindung, Funktion des eingeschlossenen Bauteils, bleibende Verformung und Fotos aus derselben Perspektive. Definiere vorab, was als „bestanden“ gilt—etwa keine sichtbare Trennung und weiterhin schließender Deckel—statt das Kriterium erst nach dem Ergebnis anzupassen. Wenn Sensorik verfügbar ist, können Geschwindigkeit, Kraft oder Beschleunigung zusätzliche Vergleichsgrößen liefern; NIST beschreibt entsprechende Messmöglichkeiten an seiner instrumentierten Anlage. Ohne solche Messung bleibt der Werkstattversuch ein qualitativer Bauteilvergleich. Er ersetzt weder eine anwendungsbezogene Normprüfung noch Aussagen über Transport, Temperatur, Alterung oder eine ganze Serie von Fertigungsteilen. [NIST-Fallturm](https://www.nist.gov/laboratories/tools-instruments/4-m-drop-tower-instrumented-impactor), [IEC 60068-2-31](https://webstore.iec.ch/en/publication/516)

Quellen

  1. International Electrotechnical Commission (IEC)
  2. National Institute of Standards and Technology (NIST)
  3. National Institute of Standards and Technology (NIST)