Filamentwechsel auf einer bestimmten Schichthöhe planen
09.10.2026
So platzierst du einen manuellen Farbwechsel zuverlässig: Zielhöhe in Schichten umrechnen, den richtigen Layer im Slicer wählen und den G-Code vorab prüfen.
Erst die sichtbare Grenze festlegen
Ein Filamentwechsel auf einer bestimmten Schichthöhe ist besonders nützlich für Schriftzüge, Logos, Beschriftungen oder einen zweifarbigen Sockel: Unterhalb der Grenze entsteht ein Bereich in der ersten Farbe, darüber baut der Drucker in der zweiten weiter. Die Methode ist für waagerechte Farbbänder gedacht. Sie färbt nicht gezielt einzelne Flächen innerhalb derselben Schicht. Markiere deshalb zuerst am Modell, wo die Grenze sichtbar sein soll. Liegt sie mitten durch Buchstaben oder eine Kontur, verschiebe sie auf eine konstruktive Kante oder passe die Geometrie an.
Höhe in eine Layerposition übersetzen
Die Höhe auf der Zeichnung ist nicht immer identisch mit der Nummer, die du im Slicer anklickst. Bei gleichmäßiger Schichthöhe kannst du überschlagen: Zielhöhe geteilt durch Schichthöhe ergibt die Zahl der Schichtabstände. Beispiel: Eine Grenze bei 10 mm mit 0,20-mm-Schichten liegt ungefähr nach 50 Schichtabständen. Das ist eine Orientierung, keine blinde Eingabe: Eine abweichende erste Schicht oder variable Schichthöhen verschieben die Zuordnung. Öffne daher nach dem Slicen die Schichtvorschau und suche die tatsächliche Z-Höhe beziehungsweise die sichtbare Kante. Setze den Wechsel vor die erste Schicht, die in der neuen Farbe beginnen soll.
Wechsel im Slicer eintragen
In PrusaSlicer wird das Modell zuerst wie gewohnt geslicet. In der Vorschau wählst du rechts den Layer-Schieberegler und gehst zur gewünschten Schicht. Das orange Plus fügt einen Farbwechsel ein; die Pause lässt sich ebenfalls am Layer einfügen. Wichtig ist die Richtung: Eine eingefügte Pause liegt vor der gewählten Schicht. Wähle also die erste Schicht, die vollständig mit dem neuen Filament gedruckt werden soll – nicht den Layer, der noch in der alten Farbe bleiben muss. Falls du im G-Code einen anderen Slicer- oder Druckerworkflow nutzt, kontrolliere dessen eigene Definition von „bei Höhe“: Manche Dialoge erwarten die Höhe, andere den Layer oder die Pause vor/nach der Zielschicht.
Vorschau und Wechsel nicht verwechseln
Die eingestellte Farbe in der Vorschau ist eine Kennzeichnung für deine Planung; sie wechselt nicht selbst das Filament und verändert den erzeugten G-Code nicht. Entscheidend ist, dass der Slicer an der Stelle eine passende Wechsel- oder Pausenaktion ausgibt und die Firmware sie versteht. Für einen manuellen Farbwechsel sollten die Filamente derselben Materialfamilie angehören – etwa PLA zu PLA oder PETG zu PETG. Ein Wechsel zwischen unterschiedlichen Kunststoffen kann wegen mangelnder Haftung zwischen den Schichten problematisch sein. Auch innerhalb derselben Familie können Temperatur- und Haftungsunterschiede eine Rolle spielen.
Firmware und Pause vorab absichern
Ein Farbwechselbefehl ist nur dann hilfreich, wenn die Drucker-Firmware ihn unterstützt. Marlin beschreibt M600 als Filamentwechselprozedur, setzt dafür aber ADVANCED_PAUSE_FEATURE voraus. Bei anderen Firmwarefamilien oder herstellerspezifischen Geräten können stattdessen eigene Pausenbefehle gelten. Deshalb nicht einfach M600 in einen beliebigen G-Code kopieren: Prüfe die Druckerdokumentation oder verwende die vom Slicerprofil vorgesehene Funktion. In PrusaSlicer ist außerdem die dokumentierte Layer-Pause mit sequenziellem Drucken nicht kompatibel. Eine sicherere Routine ist, zunächst eine kleine Probe zu slicen, die Datei im Vorschau-/G-Code-Viewer bis zur Wechselstelle zu kontrollieren und den Druck nicht unbeaufsichtigt zu starten.
Beispiel: farbige Oberseite eines Schilds
Angenommen, ein Schild soll bis zur ebenen Fläche bei 8 mm schwarz und darüber weiß gedruckt werden. Slice das Modell mit der vorgesehenen Schichthöhe, suche in der Vorschau den Beginn der ersten Schicht oberhalb dieser Fläche und setze den Wechsel genau davor. Kontrolliere die Layernummer und die dort angezeigte Z-Höhe; eine rechnerische Schätzung allein genügt bei variabler Schichthöhe nicht. Prüfe außerdem, dass nach dem Wechsel tatsächlich die gesamte nächste Schicht weiß erscheint und keine erhabenen Schriftzüge bereits in derselben Schicht mit der Fläche beginnen. Beim Druck bleibst du in der Nähe, damit du den Wechsel ausführen und den Druck anschließend fortsetzen kannst.
Typische Fehler vermeiden
Wenn die neue Farbe eine Schicht zu früh oder zu spät beginnt, liegt es meist an einer Verwechslung von Zielhöhe, Layernummer und „vor ausgewählter Schicht“. Die Vorschaufarbe ist kein Nachweis dafür, dass der G-Code einen funktionierenden Halt enthält. Ebenso wenig garantiert ein eingefügter Befehl, dass die konkrete Firmware ihn kennt oder die Wechselroutine aktiviert hat. Prüfe vor dem Start die Stelle in der G-Code-Vorschau und vergewissere dich, dass deine Druckerkonfiguration das vorgesehene Kommando unterstützt. Bei sehr dünnen Aufbauten oder einer nicht flachen Farbgrenze ist der Schichtwechsel grundsätzlich keine Lösung für selektive Farbgebung; dafür braucht es ein Mehrmaterialsystem, eine andere Geometrie oder Nachbearbeitung.