Flexibles Resin: Härte und Nachhärtezustand richtig einordnen
09.10.2026
Shore-A-Werte sind nur dann aussagekräftig, wenn Materialversion und Nachhärtezustand bekannt sind. Ein Beispiel von Formlabs zeigt zudem: Bauteildicke beeinflusst, wie biegsam ein Teil ist. Für eine belastbare Auswahl gehören daher Datenblatt, passendes Nachhärteprofil und die tatsächliche Bauteilgeometrie zusammen.
Ein Shore-Wert ist kein vollständiges Flexibilitätsprofil
Ein Wert wie 80 Shore A klingt nach einer einfachen Antwort auf die Frage, wie weich ein Druckteil ist. Er beschreibt jedoch nicht allein, wie leicht ein konkretes Bauteil gebogen oder zusammengedrückt werden kann. Schon die Materialversion und der Zustand nach der Nachhärtung gehören zur Angabe dazu: Formlabs führt für Flexible 80A Resin V1 nach dem Nachhärten 80A auf, während die aktuelle V2-Seite 83A nennt. Die Werte stehen für unterschiedliche Formulierungen und Prüfkontexte; sie sind kein Beleg dafür, dass das eine Teil im Alltag exakt drei Härtepunkte steifer wirkt. [Formlabs: V1-Materialhinweise](https://formlabs.com/support/Using-Flexible-80A-Resin-V1/) und [V2-Produktseite](https://formlabs.com/uk/products/flexible-80a-resin/). Außerdem beeinflusst die Konstruktion das Verhalten: Laut Hersteller ist ein dickeres Teil schlagfester, zugleich aber weniger biegsam. Derselbe Werkstoff kann daher bei einer dünnen Lasche nachgiebig und bei einem massiven Stopfen deutlich formstabiler wirken. [Formlabs: V1-Materialhinweise](https://formlabs.com/support/Using-Flexible-80A-Resin-V1/).
Was sich beim Nachhärten ändert
Der Druck verlässt den Drucker zunächst im sogenannten grünen Zustand. Formlabs beschreibt dabei Polymerverbindungen als noch nicht vollständig ausreagiert. Eine zusätzliche Belichtung mit Licht und Wärme verstärkt die Polymerstruktur; der Hersteller nennt dabei verbesserte Festigkeit, Steifigkeit und Temperaturbeständigkeit. Das bedeutet: Ein Härte- oder Flexibilitätseindruck am frisch gewaschenen, noch nicht nachgehärteten Teil ist nicht automatisch repräsentativ für das vorgesehene Endteil. [Formlabs: Einführung in die Nachhärtung](https://formlabs.com/support/Introduction-to-Post-Curing-Prints/). Die Konsequenz für die Materialauswahl ist praktisch: Datenwerte aus einem technischen Datenblatt nur mit dem dort angegebenen Nachhärtezustand vergleichen. Ein „80A“ ohne Materialversion und Prozessbeschreibung ist als Vergleichsgrundlage unvollständig.
Ein sinnvoller Vergleich am Beispiel
Die Herstellerangaben illustrieren, warum Härte nicht allein entscheidet. V1 wird nach dem Nachhärten mit 80A geführt; für V2 nennt Formlabs 83A. Auf derselben aktuellen Produktseite stehen außerdem 28 kN/m Reißfestigkeit und 230 Prozent Bruchdehnung. Das sind ergänzende Kennwerte für Belastbarkeit und Dehnfähigkeit, aber keine Garantie, dass ein beliebig geformtes Teil diese Werte im Einsatz erreicht. Formlabs weist selbst darauf hin, dass Eigenschaften und Prüfkontexte material- und bauteilbezogen zu lesen sind. [V1-Materialhinweise](https://formlabs.com/support/Using-Flexible-80A-Resin-V1/) und [V2-Produktseite](https://formlabs.com/uk/products/flexible-80a-resin/). Für eine Dichtung etwa kann eine höhere Härte nützlich sein, wenn die Dichtung ihre Form halten soll; für einen biegsamen Griff ist die Wandstärke womöglich ebenso entscheidend. Das sind Konstruktionsabwägungen, keine pauschalen Einsatzfreigaben. Bei dauernder Klemmung, Temperatur oder sicherheitsrelevanten Anwendungen reichen Shore-Wert und Werbevergleich nicht aus: Prüfen Sie die vollständigen materialspezifischen Daten und validieren Sie das Bauteil unter realistischen Bedingungen.
Nachhärtung passend zur Version wählen
Nach dem Waschen sollte das Teil vor dem Nachhärten vollständig trocknen. Anschließend ist das Profil für die konkrete Harzversion und das verwendete Gerät maßgeblich: Formlabs nennt Gerät und Bauteilgeometrie ausdrücklich als Einflussgrößen für die optimalen Einstellungen. Dicke, massive Bereiche erwärmen sich anders als dünne Strukturen; deshalb sind ein pauschales Zeitmaß oder die Übernahme eines Profils einer anderen Version keine verlässliche Abkürzung. [Formlabs: V1-Materialhinweise](https://formlabs.com/support/Using-Flexible-80A-Resin-V1/) und [Hinweise zu Nachhärteinstellungen](https://formlabs.com/support/Form-Cure-Time-and-Temperature-Settings/). Praktische Reihenfolge: Harzversion notieren, gründlich waschen und trocknen, das dazugehörige Herstellerprofil anwenden und erst danach die Flexibilität beurteilen. Bei einer wichtigen Passung oder wiederholter Biegung sollte ein repräsentatives Testteil die tatsächliche Geometrie haben. So vergleichen Sie nicht einen grünen Probekörper mit einem nachgehärteten Funktionsteil.
Checkliste für belastbare Härteangaben
Bevor Sie zwei flexible Druckharze anhand der Härte vergleichen, halten Sie fünf Punkte fest: genaue Materialversion, Shore-Skala und Messwert, Zustand vor oder nach der Nachhärtung, verwendetes Nachhärteprofil sowie Geometrie und Wandstärke des Prüfkörpers. Diese Angaben verhindern, dass ein scheinbar eindeutiger Härtewert mit einem anderen Zustand oder Bauteil verwechselt wird. Als Entscheidungshilfe gilt: Härte beschreibt einen Teil des Materialverhaltens; sie ersetzt weder Angaben zu Dehnung und Reißfestigkeit noch den Test am eigenen Bauteil. Insbesondere bei flexiblen Resinen ist die Frage nicht nur „Wie viele Shore-A-Punkte?“, sondern auch „Welche Version, welcher Nachhärtezustand und welche Form?“