Flusskalibrierung mit Oberflächenmustern durchführen
09.10.2026
Ein strukturierter Vergleich gedruckter Oberflächen kann helfen, den Extrusionsfaktor für ein bestimmtes Filament einzustellen. Entscheidend sind vergleichbare Druckbedingungen, eine saubere Ausgangsbasis und die Beurteilung gleichmäßig gefüllter Bereiche.
Was ein Oberflächenmuster zeigt
Beim FDM-Druck ist der Extrusionsfaktor – je nach Slicer auch Flow Ratio oder Extrusionsmultiplikator genannt – eine Stellgröße dafür, wie viel Material der Slicer für das jeweilige Filament ausgeben lässt. Er ist kein universeller Maschinenwert: Der passende Wert kann von den Eigenschaften des Materials abhängen. Ein Oberflächenmuster macht die Wirkung sichtbar: Zu wenig Material lässt Lücken zwischen den Bahnen stehen. Bei zu viel Material kann es zu Ablagerungen auf der Oberfläche kommen. Ziel ist eine gleichmäßige geschlossene Deckfläche ohne Materialwülste.
Vor dem Druck die Basis festlegen
Kalibrieren Sie zuerst die mechanische Filamentförderung des Extruders; sie ist nicht dasselbe wie die filamentbezogene Feineinstellung. Ellis empfiehlt außerdem, Pressure Advance vor dem Extrusionsmultiplikator abzustimmen. Für den Mustertest bleiben Filament, Düse, Temperatur, Schichthöhe, Druckgeschwindigkeit und Kühlung gleich. Ändern Sie möglichst nur den Extrusionsfaktor, sonst lässt sich ein besseres oder schlechteres Oberflächenbild nicht eindeutig dieser Änderung zuordnen. Diese Konstanz ist eine praktische Versuchsregel: Sie macht die Varianten vergleichbar, beweist aber nicht, dass andere Einstellungen für einen späteren Druck optimal sind.
Varianten als Oberflächenmuster drucken
In OrcaSlicer lässt sich unter Kalibrierung ein Flow-Rate-Test starten. Die erste Runde erstellt neun Varianten mit unterschiedlichen Flussmodifikatoren. Slicen Sie die Platte mit dem vorgesehenen Profil, drucken Sie sie und vergleichen Sie die Oberseiten bei ähnlichem Licht. Wählen Sie den Bereich mit der gleichmäßigsten, glattesten Deckfläche – nicht bloß die Variante, die auf einem Foto am glänzendsten wirkt. Tragen Sie den Modifikator anschließend auf den bisherigen Flow Ratio an: neuer Wert = alter Wert × (100 + Modifikator) / 100. Beispiel: Bei einem bisherigen Wert von 0,96 und einer gewählten Variante mit +3 Prozent ergibt sich 0,96 × 1,03 = 0,9888. Speichern Sie den angepassten Filamentwert und führen Sie danach die zweite, feinere Testrunde aus; die OrcaSlicer-Anleitung beschreibt diese als weiteren Kalibrierungsschritt.
Das Ergebnis richtig lesen
Vergleichen Sie breite, gleichmäßig gefüllte Flächen und beurteilen Sie die Deckfläche bei ähnlichem Licht aus mehreren Blickwinkeln. Kleine Inseln oder Ecken können das Bild verzerren: Sie wechseln schneller zwischen Beschleunigen und Abbremsen als eine lange, kontinuierliche Bahn. Bei zu niedrigem Fluss bleiben zwischen den Linien sichtbare Lücken. Bei zu hohem Fluss kann Material auf der Oberfläche aufbauen und die Fläche uneben machen. Ein einzelner Blickwinkel kann flache Täler verbergen.
Feinabstimmung und Grenzen
Wenn zwei Varianten ähnlich aussehen, drucken Sie einen engeren Bereich mit kleineren Abstufungen, statt den Wert stark zu verändern. Prusa nennt für seine visuelle Methode Korrekturen von ein bis zwei Prozent mit anschließendem Wiederholen. Übertragen Sie einen gefundenen Wert nicht automatisch auf ein anderes Filament mit abweichenden Materialeigenschaften. Ein Topflächenmuster beurteilt die sichtbare Deckfläche unter genau den getesteten Bedingungen; es ersetzt weder eine Maßprüfung noch die Suche nach anderen Ursachen wie falscher erster Schicht, Teilverstopfung oder ungeeigneter Temperatur. Wenn alle Varianten gleichermaßen schlecht aussehen, prüfen Sie daher erst den Prozess und die Hardware, bevor Sie den Extrusionsfaktor weiter verschieben.