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Innengeometrie vermessen: Was ein Oberflächenscanner nicht sieht

09.10.2026

Verborgene Kanäle, Hohlräume und Gitter lassen sich mit einem Oberflächenscanner nicht direkt vermessen, wenn die Messfläche optisch oder taktil unzugänglich ist. Industrielle Röntgen-CT kann Innen- und Außenflächen zerstörungsfrei erfassen; ein belastbarer Maßwert hängt jedoch von Bauteil, Scan und Auswertung ab.

Warum ein Außenflächenscan nicht genügt

Ein optischer Oberflächenscanner bildet die Flächen ab, die sein Messsystem tatsächlich erreicht und sieht. Bei einem geschlossenen Kühlkanal, einem innenliegenden Gitter oder einer verzweigten Düse ist genau das der Knackpunkt: Die Innenwand ist weder von außen sichtbar noch für einen Taster erreichbar. Das ist keine Frage einer feineren Auflösung, sondern des Zugangs. NIST beschreibt Röntgen-CT als zerstörungsfreie Möglichkeit, solche verborgenen Innenmerkmale zu messen. Für einen 3D-Druck-Befund heißt das: Ein sauberer Außenvergleich mit dem CAD-Modell sagt noch nichts Sicheres über den freien Querschnitt eines innenliegenden Kanals aus. Er kann maßhaltig außen und zugleich verengt, verschoben oder teilweise zugesetzt innen sein.

Was die CT ergänzt – und was sie nicht verspricht

Bei der industriellen Röntgen-CT wird das Bauteil aus verschiedenen Richtungen durchstrahlt; aus den Projektionen entsteht ein Volumendatensatz. Darin lassen sich Materialübergänge und innere Flächen auswerten, ohne das Teil aufzuschneiden. Die PTB beschreibt CT ausdrücklich als Koordinatenmesstechnik zur Bestimmung industrieller Bauteilgeometrie. Das macht CT nicht automatisch zu einem universellen Wahrheitsgerät. Ein Messwert ist an die konkrete Aufgabe und das konkrete Bauteil gebunden. Ein sichtbarer Kanalverlauf im Volumenbild ist zunächst eine Befundansicht; für eine prüfbare Maßaussage braucht es zusätzlich eine passende Oberflächenbestimmung, Ausrichtung und Messstrategie.

Ein praktischer Prüfplan für einen inneren Kanal

Nehmen wir als Arbeitsbeispiel einen gedruckten Verteiler mit zwei verdeckten Abzweigen. Vor dem Scan sollte feststehen, welche Geometrie funktional zählt: etwa der kleinste Querschnitt, der Abstand zweier Kanäle oder die Wanddicke an einer dünnen Stelle. Diese Auswahl ist eine praktische Folgerung aus der Aufgabe, Innenmerkmale gezielt zu vermessen: Man sollte nicht nur ein hübsches Gesamtbild anfordern, sondern genau die Merkmale benennen, die eine Funktion oder Toleranz bestimmen. Anschließend wird das Bauteil so positioniert und die CT so eingestellt, dass die relevanten Wände erkennbar sind. Nach der Rekonstruktion wird die Materialgrenze ausgewertet; dann können Querschnitte, Durchmesser oder Abstände bestimmt und mit Sollwerten verglichen werden. Für belastbare Ergebnisse nutzt die PTB gemeinsam gemessene, kalibrierte Referenzkörper, um Messabweichungen zu bestimmen und in der Auswertung zu korrigieren. Bei einem Dienstleister lohnt es sich daher, nach Messmerkmalen, Referenzierung und Unsicherheitsangabe zu fragen – nicht allein nach der nominellen Voxelgröße.

Warum Voxelgröße nicht gleich Messgenauigkeit ist

Ein Voxel ist ein einzelnes Volumenelement des rekonstruierten Datensatzes. Eine kleine Voxel-Kantenlänge wirkt verlockend präzise, ist für sich aber keine vollständige Genauigkeitsangabe: Der Messprozess umfasst auch die Bestimmung der Bauteiloberfläche und die Korrektur von Abweichungen. Die PTB beschreibt Verfahren, bei denen Messabweichungen mit kalibrierten Referenzkörpern bestimmt und bei der Auswertung korrigiert werden. Daraus folgt für die Praxis: Die nominelle Voxelgröße allein ersetzt weder einen Nachweis der Messabweichung noch eine auf das konkrete Prüfmerkmal zugeschnittene Beurteilung. Vor einem Soll-Ist-Vergleich sollte klar sein, wie die Oberfläche segmentiert und wie das Ergebnis referenziert wurde.

Scan- und Auswertefehler mitdenken

Additiv gefertigte Oberflächen können rau und formabweichend sein. NIST weist darauf hin, dass genau solche Eigenschaften es erschweren, die Messung eines Bauteils mit der eines separaten kalibrierten Referenzobjekts vergleichbar zu machen. Geometrie, Wandstärke und Strahlweg sind deshalb keine Nebendetails: Ein Referenzkörper, der dem Prüfobjekt wenig ähnelt, kann die Unsicherheit weniger gut abbilden. Auch die CT-Anlage selbst muss passend geprüft werden. Eine Untersuchung von NIST zur Leistungsbewertung von Kegelstrahl-CT behandelt unter anderem Geometriefehler von Detektor und Drehtisch und zeigt, dass Prüfkonfigurationen unterschiedlich empfindlich für solche Fehler sein können. Daraus folgt für die Praxis: Ein Kalibrier- oder Prüfvermerk allein sagt wenig, wenn unklar bleibt, ob die Prüfung für die relevante Messaufgabe aussagekräftig ist.

Druckprozess und Messprozess auseinanderhalten

CT vermisst das gedruckte Ergebnis; sie erklärt nicht von allein, warum ein Kanal abweicht. Eine Studie an SLM-gedrucktem Ti6Al4V verglich die Maßgenauigkeit innerer Strukturen mit verschiedenen Scanstrategien und berichtete bessere Genauigkeit bei einer neuen Strategie als bei der zuvor eingesetzten Zweifach-Scanstrategie. Das zeigt den Nutzen einer Prozesshypothese, aber nicht, dass dieselbe Strategie bei jedem Drucker, Material und Bauteil überlegen ist. Wenn ein Innenmaß nicht passt, sollten daher zwei Fragen getrennt bleiben: Ist der Messwert mit geeigneter Referenzierung und Unsicherheit belastbar? Und welche Druckparameter könnten die beobachtete Abweichung verursachen? Wiederholte Messungen an mehreren Teilen und die Prüfung desselben definierten Merkmals können helfen, diese beiden Ebenen auseinanderzuhalten.

Wann ein anderes Verfahren sinnvoll sein kann

Für zugängliche Außenflächen kann ein optischer Scan oder eine taktile Messung einfacher sein; die CT ist besonders interessant, wenn das entscheidende Merkmal innen liegt oder Außen- und Innengeometrie gemeinsam betrachtet werden müssen. Bei sehr kleinen, kontrastarmen oder stark abgeschirmten Merkmalen sollte vorab geklärt werden, ob die CT für genau diese Geometrie ausreichende Bild- und Messqualität erwarten lässt. Maßgeblich ist nicht die Technik mit dem eindrucksvollsten 3D-Bild, sondern das Verfahren, dessen Messabweichung für die geforderte Toleranz akzeptabel ist.

Quellen

  1. Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
  2. National Institute of Standards and Technology (NIST)
  3. Journal of Research of the National Institute of Standards and Technology
  4. Materials (MDPI)