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Jerk und Junction Deviation nicht als gleiche Einstellung behandeln

09.10.2026

Classic Jerk und Junction Deviation beeinflussen beide, wie eine Bewegungsplanung Übergänge zwischen G-Code-Segmenten behandelt. Ihre Modelle und Einheiten unterscheiden sich jedoch; zudem verwenden Firmware-Projekte teils eigene Bezeichnungen. Wer an der falschen Stellschraube dreht oder Werte zwischen Systemen überträgt, kann die Wirkung daher falsch einschätzen. Der Artikel ordnet die Begriffe ein und zeigt ein schrittweises Vorgehen.

Zwei Begriffe, zwei Modelle

Die beiden Regler klingen, als wären sie austauschbare Varianten derselben Komfortfunktion. Das ist eine irreführende Abkürzung. In der Drucker-Firmware meint „Classic Jerk“ gewöhnlich keinen physikalischen Ruck (Änderung der Beschleunigung pro Zeit), sondern eine firmware-spezifische Begrenzung von Geschwindigkeitsänderungen an Bewegungsübergängen. Junction Deviation dagegen beschreibt ein geometrisch begründetes Übergangsmodell. Schon Marlins M205 unterscheidet in der Dokumentation Achsen-Jerk von Junction Deviation; die Marlin-Konfigurationsbeschreibung sagt außerdem, dass Junction Deviation greift, wenn die Option CLASSIC_JERK nicht verwendet wird. Es handelt sich dort also nicht um zwei Werte, die man addiert oder gemeinsam auf einen vermeintlich passenden Zahlenwert einstellt. ([Marlin M205](https://marlinfw.org/docs/gcode/M205.html), [Marlin-Bewegungseinstellungen](https://marlinfw.org/docs/setting/motion.html))

Was die Bewegungsplanung an einer Ecke tut

Ein Slicer zerlegt eine Kontur in viele G-Code-Bewegungen. Würde der Druckkopf an jedem Segmentende vollständig anhalten, wäre die Bewegung langsam; würde er jede Ecke ohne Rücksicht auf den Richtungswechsel mit voller Geschwindigkeit passieren, wäre das ebenfalls kein vernünftiger Plan. Klippers Beschreibung des Look-ahead erklärt, dass die Firmware mehrere aufeinanderfolgende Bewegungen betrachtet und deren Winkel nutzt, um eine Übergangsgeschwindigkeit zu bestimmen. Bei annähernd gleicher Richtung muss wenig abgebremst werden, bei einem starken Richtungswechsel ist weniger Übergangsgeschwindigkeit möglich. ([Klipper: Kinematics](https://www.klipper3d.org/Kinematics.html))

Warum Zahlen nicht übertragbar sind

Junction Deviation ist kein Synonym für einen Jerk-Wert, und gleiche Zahlen bedeuten nicht gleiche Bewegung. Die Unterschiede sind auch an den Oberflächen sichtbar: Marlin dokumentiert für M205 getrennte Optionen für Achsen-Jerk und J-Abweichung; Klipper verwendet in seiner aktuellen Konfigurationsreferenz stattdessen square_corner_velocity. Diese Größe ist als erlaubte Geschwindigkeit an einer 90-Grad-Ecke beschrieben. Klippers Kinematics-Dokument erklärt, dass Geschwindigkeiten für andere Winkel davon abgeleitet werden. Man kann daher weder mm/s-Werte aus einer Classic-Jerk-Einstellung in eine Abweichung umdeuten noch den Klipper-Wert direkt als „Jerk“ übernehmen. ([Marlin M205](https://marlinfw.org/docs/gcode/M205.html), [Klipper-Konfiguration](https://www.klipper3d.org/Config_Reference.html), [Klipper: Kinematics](https://www.klipper3d.org/Kinematics.html))

Ein anschaulicher Vergleich

Stell dir zwei aufeinanderfolgende Konturen vor: eine lange Gerade, die fast geradlinig weiterläuft, und eine Gerade, die in eine rechtwinklige Ecke mündet. Bei der ersten kann die Bewegungsplanung typischerweise mehr Geschwindigkeit am Übergang erhalten, bei der zweiten muss sie die Richtungsänderung berücksichtigen. Klippers Einstellgröße gibt dafür ausdrücklich einen 90-Grad-Referenzfall vor. Das ist hilfreicher als die Vorstellung, „Jerk höher“ oder „Deviation höher“ sei ein universeller Beschleunigungsregler: Die tatsächliche Wirkung hängt vom Firmware-Algorithmus, der Bewegungsgeometrie und den übrigen Grenzen des Druckers ab.

Vorsichtig abstimmen statt blind kopieren

Praktisch heißt das zuerst: Firmware und genaue Option identifizieren, dann den aktuellen Wert und die Konfiguration sichern. Bei Marlin kann M503 den aktuellen Einstellungsstand ausgeben; die M205-Dokumentation nennt M500 zum Speichern (sofern EEPROM_SETTINGS aktiv ist). Ändere nur die passende Übergangsoption und prüfe dieselbe Geometrie erneut, statt gleichzeitig Beschleunigung, Vorschub und mehrere Übergangsparameter zu verändern. Beginne konservativ und erhöhe schrittweise nur dann, wenn Ecken unnötig stark abbremsen und Mechanik sowie Druckbild stabil bleiben. Ein lauter oder vibrierender Druck, sichtbare Echos oder Schrittverluste sind keine Aufforderung, weiter hochzuregeln: Bewegte Masse und Mechanik setzen reale Grenzen. Diese Hinweise sind ein methodischer Startpunkt, kein universeller Sollwert; Druckerbauart und Firmware-Konfiguration sind unterschiedlich.

Quellen

  1. Marlin Firmware
  2. Marlin Firmware
  3. Klipper Documentation
  4. Klipper Documentation
  5. RepRap Wiki