Photogrammetrie: Fotos mit gleichmäßiger Überdeckung aufnehmen
09.10.2026
Das Aufnahmeintervall hängt unter anderem von der Fluggeschwindigkeit ab. Ein gleichmäßiges Raster und angepasste Überdeckung helfen, Luftbilder für photogrammetrische Projekte lückenarm zu erfassen.
Überdeckung beginnt mit einem gleichmäßigen Raster
Bei Luftaufnahmen sollte die Flugroute nicht aus unverbundenen Einzelbildern bestehen. Lege parallele Bahnen in einem regelmäßigen Raster an und plane sowohl die Überdeckung auf derselben Bahn als auch die seitliche Überdeckung zwischen benachbarten Bahnen. PIX4D nennt als allgemeinen Ausgangspunkt mindestens 75 Prozent in Flugrichtung und mindestens 60 Prozent zwischen den Flugbahnen. Das sind herstellerseitige Richtwerte, keine Garantie für jedes Motiv oder jede Auswertungssoftware. Praktisch heißt das: Die Kamera soll jeweils einen großen Teil des zuvor erfassten Bildstreifens erneut aufnehmen. Auch zwischen den Bahnen darf kein schmaler, un fotografierter Korridor bleiben. Plane am Rand der Fläche eine Reserve ein, statt die äußersten Bildmittelpunkte exakt auf die Grundstücksgrenze zu setzen.
Für 3D nicht nur senkrecht fotografieren
Eine reine Nadiraufnahme blickt senkrecht nach unten und eignet sich nicht für alle räumlichen Strukturen gleichermaßen. OpenDroneMap unterscheidet seine Empfehlungen nach Auswertungsziel: Für die vollständige 3D-Rekonstruktion nennt die Dokumentation einen Kreuzrasterflug mit schräger Kamera. Die angegebenen Überdeckungswerte sind dabei nicht als eine einzige universelle Zahl zu lesen. Wenn Seitenflächen, Gebäude oder stärker strukturierte Formen wichtig sind, ergänzen sich Blickrichtungen: Ein zweiter, quer verlaufender Flugstreifen kann zusätzliche Ansichten liefern. Wähle die Route daher nach dem gewünschten Ergebnis – etwa einer flächigen Karte oder einem vollständigen 3D-Modell – und nicht allein nach der kürzesten Flugzeit.
Das Aufnahmeintervall aus dem Bildfußabdruck ableiten
Für eine gleichmäßige Folge von Bildern lässt sich der Abstand zwischen zwei Aufnahmen aus dem sichtbaren Bodenstreifen berechnen. Bezeichne mit D die Bodenstrecke, die ein einzelnes Foto in Flugrichtung abdeckt, und mit p den Überdeckungsanteil als Dezimalzahl. Dann ist die gemeinsame Strecke p · D; die Distanz x zwischen den Aufnahmepositionen lautet x = D × (1 − p). Bei Fluggeschwindigkeit v ergibt sich das Zeitintervall t = x / v. Beispiel: Deckt ein Foto 20 Meter in Flugrichtung ab und sind 75 Prozent Überdeckung vorgesehen, bleiben 5 Meter zwischen zwei Aufnahmepositionen (20 × (1 − 0,75)). Bei 2 Metern pro Sekunde entspricht das einem Foto alle 2,5 Sekunden. Das Beispiel dient nur der Rechnung: In der Praxis müssen die Eingaben zur tatsächlichen Kameraausrichtung, Bildgröße am Boden und Fluggeschwindigkeit passen.
Vor Ort auf Lücken und gleichmäßige Abstände achten
Prüfe vor dem Start, ob das geplante Raster die gesamte Fläche abdeckt und ob die Kameraauslösung das berechnete Intervall bei der vorgesehenen Geschwindigkeit einhalten kann. Falls nicht, kann die Fluggeschwindigkeit angepasst werden; ein längerer Abstand zwischen Bildern verringert die Überdeckung. OpenDroneMap nennt für komplexe Gebäude und Vegetation höhere Überdeckungswerte als für weniger komplexe Flächen. Nach der Aufnahme lohnt ein kurzer Sichtcheck der Bildfolge und der Bahnränder, damit eine ausgelassene Auslösung oder ein unvollständiger Streifen noch vor dem Abbau auffällt. Die Rechnung bleibt eine Planungshilfe, keine Messung der tatsächlich erreichten Überdeckung. Sie setzt einen bekannten Bildfußabdruck und gleichmäßige Bewegung voraus. Wenn die Bedingungen während des Fluges davon abweichen, muss die Route beziehungsweise das Intervall neu geplant werden. Für ein konkretes Projekt sind daher sowohl ein sinnvoller Richtwert als auch eine Prüfung des entstandenen Datensatzes wichtig.