Restzeiten und Light-off-Delay nicht verwechseln
09.10.2026
Resting Time setzt Pausen an bestimmten Stellen im Schichtzyklus; Light-off-Delay beschreibt je nach Slicer eine Gesamtzeit rund um Hub, Rückfahrt und Wartephase. Welche Option passt, hängt von Drucker, Dateiformat und Slicer-Unterstützung ab.
Zwei Einstellungen, zwei Fragen
Bei Resin-Druckern klingt beides nach „Pause pro Schicht“, meint aber nicht zwingend dasselbe. Resting Time fragt: An welchen Stellen im Bewegungsablauf soll die Maschine anhalten? In einem Resting-Time-Modus werden Pausen einzelnen Punkten zugeordnet. Light-off-Delay fragt dagegen nach einer Zeitspanne für den gesamten Ablauf aus Hub, Warten und Rückfahrt. Je nach Slicer und Drucker kann dieser Wert deshalb eher eine Zyklusdauer als eine reine Ruhepause abbilden. Das ist entscheidend, wenn du Zahlen aus einem Profil überträgst. Ein Wert von beispielsweise 8 Sekunden im Feld „Light-off delay“ bedeutet nicht automatisch acht Sekunden Stillstand: Ein Teil dieser Zeit kann bereits durch die Z-Achsen-Bewegung vergehen.
Was „nach dem Rückfahren“ praktisch bewirkt
Für den Resinfluss ist besonders die Pause nach dem Rückfahren interessant: Die Bauplattform ist wieder unten, bevor die nächste Belichtung beginnt. Die Flüssigkeit kann sich in der Nähe der frisch zu belichtenden Schicht beruhigen. Die Pausen vor dem Hub oder nach dem Hub liegen dagegen an anderen Stellen des Zyklus und sind nicht einfach austauschbar. Eine gezielte Pause kann helfen, Mikrobewegungen im Harz vor dem Aushärten zu verringern. Das garantiert aber kein besseres Ergebnis: Geometrie, Abzugskräfte, Harztemperatur und Druckermechanik wirken ebenfalls mit.
Ein Zahlenbeispiel: Gesamtzeit ist keine Ruhezeit
Angenommen, ein Profil fährt 6 mm mit 60 mm/min hoch und dieselbe Strecke mit 150 mm/min zurück. Der Hub dauert rechnerisch 6 Sekunden, der Rückweg 2,4 Sekunden. Zusammen sind das 8,4 Sekunden Bewegung. Werden zusätzlich 2 Sekunden Pause benötigt, ergibt sich eine Light-off-Delay-Gesamtzeit von etwa 10,4 Sekunden. Diese Rechnung illustriert die Begriffe; sie ist keine universelle Profilempfehlung. Im Resting-Time-Modus würdest du die gewünschte Pause stattdessen direkt dem passenden Schritt zuweisen. Verwechsle daher nicht „2 Sekunden Pause nach dem Rückfahren“ mit „Light-off-Delay 2 Sekunden“: Wenn der Bewegungszyklus länger dauert als der konfigurierte Light-off-Wert, kann die Bewegung die Zeit bereits aufbrauchen.
Warum Profile und Slicer abweichen
Nicht jeder Drucker unterstützt jede Wartemethode; außerdem können Slicer-Feldnamen und Dateiformate die Werte unterschiedlich interpretieren. CHITUBOX kennzeichnet Resting Time als nicht überall unterstützt. Lychee weist für CTB v4 ausdrücklich auf einen möglichen Konflikt hin, bei dem die Light-off-Delay-Einstellung durch einen automatisch gesetzten Standardwert übergangen werden kann. Deshalb zuerst Druckermodell, Firmware, Slicer-Version und exportiertes Dateiformat prüfen. Übernimm keinen Zahlenwert blind aus einem Profil, wenn dort ein anderer Wartemodus verwendet wird. Die gleiche Zahl in einem anders benannten Feld kann an einem anderen Zeitpunkt wirken oder gar nicht angewendet werden.
Sicher und systematisch einstellen
Nutze ein zum Drucker und Harz passendes Herstellerprofil als Ausgangspunkt. Wenn dein Gerät Resting Time unterstützt und du eine Pause an einer bestimmten Stelle testen willst, ändere nur diesen Wert und notiere Ausgangseinstellung, Harz, Temperatur und Druckergebnis. Für flexible Harze und Dentalmaterialien nennt Liqcreate in seinem CHITUBOX-Leitfaden zwei Sekunden je Schritt als Empfehlung für anspruchsvolle Anwendungen; das ist eine herstellerspezifische Orientierung, kein allgemeiner Sollwert für jedes Resin. Mehr Wartezeit verlängert den Druck und ist nicht automatisch besser. Wenn Schichten weiterhin unvollständig sind oder sich ablösen, prüfe daneben Belichtung, Hubweg und Hubgeschwindigkeit sowie Temperatur und Harzzustand. Eine Pause kann Resinfluss stabilisieren, ersetzt aber keine Fehlerdiagnose der übrigen Prozessparameter.