Risse im Resindruck: Ursachen und gezielte Fehlersuche
09.10.2026
Risse und Abbrüche beim Resindruck haben unterschiedliche Ursachen: Hohlräume können beim Ablösen Sog erzeugen, große massive Schichten können sich verziehen und zu schwache Stützen können nachgeben. Das Fehlerbild hilft, die passende Gegenmaßnahme zu wählen.
Zuerst das Fehlerbild einordnen
Ein sichtbarer Riss ist noch keine eindeutige Diagnose. Achten Sie darauf, wann und wo der Schaden entsteht: Eine aufgerissene oder nach innen eingedrückte Wand an einer hohlen, becherartigen Stelle spricht für ein Cupping-Problem. Bleibt dagegen das Stützgerüst auf der Plattform, während das eigentliche Modell im Tank liegt, ist eher die Verbindung zu den Stützen ausgefallen. Prusa beschreibt genau dieses Ablösebild und nennt dabei das Gewicht des gedruckten Objekts zusammen mit unzureichenden Stützen als typische Ursache ([Prusa: Print detached from supports](https://help.prusa3d.com/article/print-detached-from-supports-sl1-sl1s_1791)). Prüfen Sie daher erst den Ort des Risses, bevor Sie wahllos Belichtungswerte ändern.
Warum Hohlräume aufreißen können
Beim Resindruck wird die frisch belichtete Schicht von der Tankfolie gelöst. Eine nach oben offene Vertiefung kann dabei Luft einschließen, wenn die Bauplattform die Kavität gegen den Tank absenkt ([Formlabs: Preventing suction cups](https://formlabs.com/support/Preventing-suction-cups-in-PreForm/)). Beim anschließenden Abheben wird der Raum in dieser „Tasse“ größer. Es entsteht ein Druckunterschied, der auf die umgebenden Wände wirkt; sind sie zu dünn, können sie nach innen einknicken ([Formlabs: Cupping blowout](https://formlabs.com/uk/support/Cupping-Blowout/)). Das ist kein Beweis, dass jeder Riss ein Sogschaden ist: Die Form, Wandstärke, Harzart und Lage des Hohlraums beeinflussen das Risiko. Ein Beispiel ist eine hohle Figur mit einer nach oben weisenden Schale: Die Schale kann sich schichtweise wie ein Saugnapf verhalten, obwohl der Rest des Modells stabil aussieht.
Geometrie und Ablauföffnungen prüfen
Öffnen Sie im Slicer die Schichtvorschau und suchen Sie nach Bereichen, die sich zu einer geschlossenen Mulde entwickeln. Drehen Sie das Modell so, dass eine Kavitätsöffnung nach unten weist oder die Fläche nicht mehr wie ein geschlossener Becher zum Tank steht. Bei einem vollständig eingeschlossenen Hohlraum muss Harz beziehungsweise Luft einen Weg hinein und hinaus haben. Formlabs empfiehlt, solche Hohlräume zu füllen oder Ablauföffnungen vorzusehen; eine Öffnung an einer beliebigen, beim Druck weiterhin abgeschlossenen Stelle löst das Problem nicht automatisch ([Formlabs: Preventing suction cups](https://formlabs.com/support/Preventing-suction-cups-in-PreForm/)). Nach jeder Änderung erneut schichten und die Orientierung prüfen. Hohlräume verringern Materialverbrauch, sind aber kein Selbstzweck: Bei einem kleinen, massiven Modell ist das Aushöhlen mit schwer kontrollierbaren Innenkanälen möglicherweise weniger sinnvoll als eine andere Ausrichtung.
Wenn sich das Modell von Stützen löst
Ein abgelöster Körper kann wie ein Riss erscheinen, obwohl die Schwachstelle an den Stützen liegt. Prüfen Sie, ob das Modell schwer oder groß ist und ob die Kontaktpunkte zu dünn beziehungsweise zu wenige sind. Prusa nennt mehr oder stärkere Stützen als erste Korrektur und rät dazu, die vorgesehenen Belichtungszeiten zu kontrollieren ([Prusa: Print detached from supports](https://help.prusa3d.com/article/print-detached-from-supports-sl1-sl1s_1791)). Falls Sie ein massives Teil aushöhlen, müssen die Ablauföffnungen so geplant sein, dass kein Harz im Inneren eingeschlossen bleibt und kein neuer Saugeffekt entsteht. Das ist besonders wichtig, wenn die Fehlerstelle nach dem Wechsel einer Schicht auftritt. Ändern Sie möglichst jeweils nur eine Ursachegruppe, damit der nächste Druckversuch aussagekräftig bleibt.
Große massive Schichten gesondert betrachten
Nicht jeder Spalt entsteht durch eine Ventose. Prusa weist darauf hin, dass Harze nach dem Aushärten leicht schrumpfen und dadurch Kräfte auf die Schichten wirken können; Verzug oder Trennung beschränken sich nach der dortigen Fehlerbeschreibung meist auf große massive Schichten ([Prusa: Warped layers](https://help.prusa3d.com/article/warped-layers-sl1-sl1s_1796)). Wenn der Schaden an einer breiten, nahezu vollflächigen Lage sitzt, betrachten Sie daher auch die Querschnittsfläche und die Modellorientierung, statt nur nach Drainagelöchern zu suchen. Eine schrägere Ausrichtung kann große Querschnitte über mehrere Lagen verteilen. Das ist eine geometrische Maßnahme, kein garantierter Fix für jedes Harz oder jeden Drucker.
Systematisch statt auf Verdacht korrigieren
Eine kurze Diagnosefolge spart Fehlversuche: erst Bruchstelle und Stützenbild dokumentieren, dann im Slicer Hohlräume und große Querschnitte prüfen, anschließend entweder Orientierung beziehungsweise Entlüftung oder die Stützen gezielt ändern. Bei einer nach innen eingedrückten Hohlwand liegt der Verdacht auf Cupping nahe; bei einem im Tank liegenden Modell mit intakten Stützen eher auf Stützenhalt; bei breiter Schichttrennung eher auf massive Querschnitte und Materialschrumpfung. Diese Zuordnung ist eine praktische Arbeitshypothese, keine sichere Ferndiagnose. Wenn sich die Ursache nicht klar aus dem Modell ableiten lässt, kontrollieren Sie auch die Druckdatei und die vom Hersteller für Harz und Maschine empfohlenen Einstellungen. Ein einzelner sichtbarer Riss reicht nicht aus, um pauschal Belichtungszeit, Hubgeschwindigkeit oder Harztemperatur verantwortlich zu machen.