Schleifkörnungen als abgestufte Bearbeitungsfolge auswählen
09.10.2026
Eine sinnvolle Schleiffolge richtet sich nach dem Ausgangszustand, dem Werkstoff und dem gewünschten Oberflächenbild. Die Körnungswerte aus Herstelleranleitungen sind Orientierungspunkte, keine universelle Pflichtliste.
Zuerst das Ziel festlegen
Eine Schleifkörnung ist kein Qualitätsurteil für sich: Entscheidend ist, was entfernt werden soll und wie die Oberfläche am Ende aussehen muss. Bei einem sichtbaren Stützpunktgrat oder einer deutlichen Naht braucht es zunächst Materialabtrag; für eine lackierte Fläche zählt dagegen, ob die folgenden Schichten die verbleibenden Spuren noch zeigen. Formlabs führt eine breite mögliche Folge von 150 bis 2000 auf und knüpft sie ausdrücklich an verfügbare Körnungen und das gewünschte Finish. Ein UltiMaker-Beitrag zu 3D-gedruckten Museumsobjekten beschreibt als Erfahrungsbeispiel eine Folge von ungefähr fünf Körnungen von 150–200 bis 1500 – ausdrücklich je nach Druckteil. Das ist ein Beispiel, keine allgemeingültige Rezeptur.
Vom gröberen Abtrag zur feineren Oberfläche
Praktisch lässt sich die Bearbeitungsfolge in zwei Aufgaben teilen: Erst Unebenheiten reduzieren, dann die Kratzspuren des vorherigen Schritts verfeinern. Für ein Teil mit deutlichen Spuren kann die Formlabs-Liste 150, 220, 400, 800, 1000 und 2000 als Orientierungsleiter dienen. Nicht jede Station muss automatisch benutzt werden: Entscheidend ist, ob die vorherigen Schleifspuren noch sichtbar sind. Als weitere mögliche Abstufung nennt Formlabs, die Körnungszahl ungefähr zu verdoppeln. Übertragen auf die Werkbank könnte man also nach einem geeigneten Startwert mit ausgewählten Zwischenschritten feiner werden, statt wahllos viele Papiere zu wechseln. Prüfe die Fläche bei gutem Licht, entferne den Schleifstaub und wechsle erst dann, wenn die gröberen Riefen beseitigt sind. Der genaue Startwert hängt vom Teil ab; ein universelles Schema gibt es aus den Empfehlungen nicht.
Kleine Beispiele statt starrer Tabelle
Bei einem SLA-Teil mit auffälligen Stützspuren ist ein vorsichtiger Anfang im Bereich einer gröberen Körnung sinnvoll; wenn Material abgetragen werden muss, folgt eine feinere Stufe, bis das gewünschte Erscheinungsbild erreicht ist. Für einen rein kosmetischen Feinschliff kannst du früher in die feineren Bereiche wechseln, statt unnötig lange auf einer groben Körnung zu arbeiten. Die von Formlabs aufgeführten Werte zeigen, wie weit eine Schleiffolge reichen kann, nicht, dass jedes Werkstück alle sechs Stufen braucht. Die UltiMaker-Erfahrung mit fünf Stufen bis 1500 illustriert eine andere mögliche Auswahl. Diese Beispiele lassen sich nicht ohne Weiteres vergleichen: Werkstoff, Geometrie, Druckqualität und Finish-Ziel unterscheiden sich.
Werkstoff und Geometrie begrenzen den Schliff
Bei PLA und anderen wärmeempfindlichen Werkstoffen kann zu aggressives oder langes Schleifen die Oberfläche durch Wärme beschädigen. UltiMaker nennt Nassschliff als Möglichkeit, die Wärmeentwicklung beim Schleifen von PLA zu begrenzen. Polymaker empfiehlt Nassschliff ab 400er Körnung für feinere Oberflächen und nennt geringere Staub- und Wärmeentwicklung. Das ist kein Freibrief: Wasser ist nur dann passend, wenn Material, Bauteil und nachfolgende Arbeitsschritte es vertragen. Bei dünnen Wänden, scharfen Kanten und kleinen Details besser von Hand und mit wenig Druck arbeiten; die Form soll nicht durch den Nachbearbeitungsschritt verändert werden. Bei einer Lackierung muss außerdem der Untergrund zum verwendeten Primer und Lack passen.
So prüfst du den nächsten Schritt
Arbeite auf einer kleinen, unauffälligen Stelle oder an einem gleich gedruckten Reststück, wenn du den Materialabtrag oder das spätere Aussehen noch nicht einschätzen kannst. Halte die Bewegung gleichmäßig und vermeide, eine Kante oder kleine Fläche lange zu bearbeiten. Zwischen den Stufen den Abrieb entfernen: Eingeschlossene gröbere Partikel können neue Riefen ziehen und die Beurteilung erschweren. Eine feinere Körnung ist erst dann nützlich, wenn die vorherigen Kratzer ausreichend reduziert wurden. Für ein mattes, lackierfertiges Teil kann die Folge früher enden; für ein sehr glattes oder glänzendes Ziel sind feinere Stufen relevant. Formlabs nennt als mögliche Endbereiche bis 2000, Polymaker 800 bis 2000 für polierte Oberflächen. Weder der höchste Zahlenwert noch die längste Folge garantiert allein eine gleichmäßige Oberfläche.