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Thermistor oder PT1000: Temperatursensoren unterscheiden

08.10.2026

Ein NTC-Thermistor und ein PT1000 erfassen Temperatur über eine Widerstandsänderung, brauchen aber unterschiedliche Kennlinien und Auswertungen. Entscheidend sind Temperaturbereich, Genauigkeit, Anschlussleitung und passende Elektronik.

Zwei Widerstandssensoren, zwei Kennlinien

Thermistor und PT1000 messen nicht unmittelbar eine Temperatur: Die Elektronik erfasst den Widerstand und rechnet ihn anhand einer Sensorkennlinie in Grad Celsius um. „Thermistor“ bezeichnet eine Sensorfamilie; verbreitet sind NTC-Ausführungen, deren Widerstand bei steigender Temperatur fällt. Ein PT1000 ist dagegen ein Platin-Widerstandsthermometer mit einem Nennwiderstand von 1000 Ω bei 0 °C. Bei RTDs steigt der Widerstand mit der Temperatur; die Kennlinie ist über begrenzte Bereiche annähernd linear, aber nicht über jeden Temperaturbereich exakt geradlinig. (Details: [TI über RTDs](https://www.ti.com/lit/an/snaa230/snaa230.pdf), [TI über Thermistoren](https://www.ti.com/lit/an/snoaa12/snoaa12.pdf), [TI zur NTC-Nichtlinearität](https://www.ti.com/lit/an/sloa052/sloa052.pdf).)

NTC: empfindlich, aber nicht einfach linear

Ein NTC kann in einem Spannungsteiler mit einem festen Widerstand betrieben werden: Ändert sich seine Temperatur, ändern sich Widerstand und Teilerspannung. Der Mikrocontroller muss den Messwert jedoch mit der passenden Kennlinie übersetzen. Die Beziehung ist bei NTCs über einen weiten Temperaturbereich deutlich nichtlinear. Häufig wird dafür ein Beta-Wert aus dem Datenblatt verwendet; dieser gilt für einen bestimmten Temperaturbereich und ist nicht beliebig auf andere NTC-Typen übertragbar. Eine Nachschlagetabelle oder eine passend parametrierte Umrechnungsformel vermeidet, dass ein linearer Spannung-zu-Temperatur-Ansatz die Kurve falsch abbildet. Auch der Messstrom zählt: Er erwärmt den Sensor selbst und kann die ermittelte Temperatur nach oben verfälschen. Deshalb sollte die Schaltung Selbstheizung gering halten. (Siehe [TI zum Spannungsteiler und Beta-Wert](https://www.ti.com/lit/an/sbaa338a/sbaa338a.pdf) und [TI zu Thermistor-Messschaltungen](https://www.ti.com/lit/an/sloa052/sloa052.pdf).)

PT1000: standardisierter, aber messschaltungsabhängig

Der Name PT1000 beschreibt den Platin-Sensor über seinen Nennwiderstand von 1000 Ω bei 0 °C; PT500 oder PT100 sind entsprechende Varianten mit anderem Nennwert. Für den PT1000 wird der Widerstand typischerweise mit einem definierten Messstrom und einer Referenz erfasst und anschließend über die Platin-Kennlinie in Temperatur umgerechnet. Bei sehr kurzen Leitungen kann eine Zweileiterschaltung genügen. Ihr Nachteil: Der Leitungswiderstand liegt mit im Messwert und ist nicht vom Sensorwiderstand zu trennen. Bei längeren Leitungen kommen daher je nach Genauigkeitsziel Drei- oder Vierleiterschaltungen in Betracht; sie können den Leitungseinfluss verringern. Das ist keine automatische Genauigkeitsgarantie: Referenzwiderstand, Messstrom, Analog-Digital-Wandler und Sensortoleranz beeinflussen weiterhin das Ergebnis. (Grundlagen: [TI zu RTD-Messungen](https://www.ti.com/lit/an/sbaa275a/sbaa275a.pdf), [TI zum PT1000-Interface](https://www.ti.com/lit/an/snaa230/snaa230.pdf).)

Welche Wahl passt zum praktischen Aufbau?

Für eine Temperaturmessung auf einer Elektronikplatine mit engem, bekanntem Arbeitsbereich kann ein NTC eine zweckmäßige Lösung sein, wenn der konkrete Typ samt Kennlinie im Controller hinterlegt ist. Für einen Aufbau mit langen Sensorleitungen oder einem klaren Bedarf an standardisierter Platin-Kennlinie kann ein PT1000 sinnvoll sein; bei der Verdrahtung sollte die gewünschte Genauigkeit berücksichtigt werden. Das sind Auswahlregeln, keine Garantie für den konkreten Aufbau: Die tatsächliche Messung hängt auch von Einbauort und thermischem Kontakt ab. Ein Sensor am Heizkörper misst nicht zwingend dieselbe Temperatur wie das zu regelnde Bauteil. Prüfen Sie außerdem, ob die vorhandene Firmware tatsächlich PT1000 oder den exakten NTC-Typ samt Beta-Wert bzw. Kennlinientabelle unterstützt; eine falsche Auswahl führt trotz korrekter elektrischer Verbindung zu falschen Temperaturwerten.

Vor dem Anschluss prüfen

Ermitteln Sie zuerst den erwarteten Temperaturbereich und die erforderliche Messgenauigkeit. Beim NTC gleichen Sie Typ, Nennwiderstand bei Bezugstemperatur und Kennlinienparameter mit Datenblatt und Firmware ab. Beim PT1000 bestätigen Sie den Sensorwert bei 0 °C, die zulässige Temperatur des vollständigen Fühlers und die unterstützte Leitungsart. Legen Sie den Messstrom nicht unnötig hoch und prüfen Sie, ob der Messwandler zur Sensorcharakteristik passt. Nach dem Einbau lässt sich der Messwert an einem bekannten Temperaturpunkt plausibilisieren; ein einzelner Abgleich ersetzt jedoch keine Kalibrierung über den gesamten Bereich.

Quellen

  1. Texas Instruments
  2. Texas Instruments
  3. Texas Instruments
  4. Texas Instruments
  5. Texas Instruments