TPU-Filament nach Shore-Härte auswählen: ein praktischer Leitfaden
09.10.2026
Die Shore-A-Zahl hilft beim Eingrenzen eines TPU-Filaments, sagt aber nicht allein voraus, wie sich ein gedrucktes Teil anfühlt oder verhält. Entscheidend sind außerdem Bauteilform, Einsatz und Druckbarkeit.
Was die Shore-A-Zahl aussagt – und was nicht
Die Zahl hinter dem A beschreibt eine Härtemessung: Ein Durometer drückt einen festgelegten Eindringkörper unter definierten Bedingungen in das Material. Eine kleinere Shore-A-Zahl weist bei vergleichbaren TPU-Sorten meist in Richtung weicher; sie ist aber kein vollständiges Maß für die Flexibilität eines fertigen Druckteils. Die ASTM beschreibt Shore als Eindringhärte und warnt damit vor der naheliegenden, aber zu einfachen Gleichung „Zahl = Bauteilverhalten“. Wandstärke, Form, Füllung und Belastungsrichtung beeinflussen ebenfalls, wie weit sich ein Teil biegt oder zusammendrücken lässt. Wer zwei Filamente vergleicht, sollte deshalb auch prüfen, ob sich die Angaben auf dieselbe Shore-Skala und ein vergleichbares Prüfverfahren beziehen. [ASTM D2240](https://store.astm.org/standards/d2240).
85A oder 95A: vom Einsatz her entscheiden
Für die erste Auswahl hilft ein einfacher Zielkonflikt: Soll das Teil deutlich nachgeben und sich gummiartig anfühlen, ist ein weicherer Kandidat einen Versuch wert. UltiMaker nennt etwa TPU 85A als gummiartiger, während das eigene TPU 95A als Balance zwischen Flexibilität und einfacherem Drucken eingeordnet wird. BASF weist für sein Ultrafuse TPU 85A tatsächlich 85 Shore A aus. Diese Beispiele sind Orientierungspunkte, keine herstellerübergreifende Rangliste: Rezeptur und Druckbedingungen unterscheiden sich. Denken Sie vom Bauteil aus: Bei einer Dichtung oder einem stoßdämpfenden Element kann Nachgiebigkeit erwünscht sein; bei einer Hülle oder einem Griff soll das Teil zugleich seine Form ausreichend halten. Solche Anwendungen nennt UltiMaker für TPU allgemein, nicht als Garantie für jede Shore-Variante. [UltiMaker](https://ultimaker.com/learn/printing-with-tpu-best-practices-for-flexible-success/), [BASF-Datenblatt](https://forward-am.com/wp-content/uploads/2021/07/Ultrafuse_TPU_85A_TDS_EN_v2.5.pdf).
Die Druckbarkeit gehört zur Materialwahl
Ein weicheres Filament lässt sich im Extruder leichter zusammendrücken oder aus der Führung drücken; entsprechend verlangt es meist mehr Aufmerksamkeit beim Vorschub. Prusa formuliert den allgemeinen Zusammenhang knapp: Je weicher das flexible Filament, desto schwieriger der Druck. Das bedeutet nicht, dass 85A grundsätzlich ungeeignet wäre. Es bedeutet, dass Sie vor der Materialentscheidung auch den Filamentweg Ihres Druckers und die Bereitschaft zu langsamen, kontrollierten Einstellungen berücksichtigen sollten. Die Bereiche in einem Datenblatt sind materialbezogen: BASF nennt für Ultrafuse TPU 85A 15–40 mm/s, was nicht als universeller Wert für jedes TPU oder jeden Drucker gelesen werden darf. [Prusa](https://help.prusa3d.com/article/flexible-materials_2057?product=mini), [BASF-Datenblatt](https://forward-am.com/wp-content/uploads/2021/07/Ultrafuse_TPU_85A_TDS_EN_v2.5.pdf).
Ein sinnvoller Vergleich am eigenen Bauteil
Wenn Sie zwischen zwei Härten schwanken, drucken Sie nicht nur einen kleinen Materialwürfel. Legen Sie eine einfache Probe an, die die entscheidende Funktion nachbildet: etwa einen kurzen biegsamen Steg, eine Ringprobe zum Zusammendrücken oder einen Griffabschnitt. Verwenden Sie für beide Filamente dieselbe Geometrie und möglichst vergleichbare Wand- und Füllparameter. Vergleichen Sie dann gezielt die relevante Frage: Gibt der Steg weit genug nach? Kommt der Ring nach dem Zusammendrücken zurück? Ist der Griff zu weich oder noch bequem? Das ist ein eigener Anwendungsversuch, keine Messung der Shore-Härte. Die Härtezahl hilft beim Vorauswählen; die Probe zeigt, ob das konkrete Material mit Ihrer Geometrie und Ihrem Druckprozess passt.
Nicht nur nach der Zahl kaufen
Prüfen Sie vor dem Kauf die vollständige technische Angabe: Shore-Skala, Datenblatt, empfohlene Druckparameter und vorgesehene Anwendung. Ein Aufdruck „85A“ macht zwei Filamente nicht automatisch austauschbar, ebenso wenig sagt „95A“ allein aus, wie steif eine dünnwandige Konstruktion wird. Wählen Sie zunächst die weichere oder festere Richtung passend zur Funktion, grenzen Sie danach auf Materialien ein, die Ihr Drucker handhaben kann, und bestätigen Sie die Entscheidung mit einem Bauteil-Prototyp. So wird Shore-Härte zu einem brauchbaren Auswahlfilter statt zu einem vermeintlichen Versprechen für das fertige Teil.