Unterextrusion: Förderung, Schmelzung und Einstellungen trennen
09.10.2026
Lückenhafte Bahnen sind ein Symptom, keine Diagnose. Wer Förderung, Schmelzung und Einstellungen nacheinander prüft, grenzt Unterextrusion systematisch ein, statt vorschnell den Flow-Wert zu verändern.
Erst das Muster lesen
Unterextrusion zeigt sich als fehlendes Material, Lücken zwischen Bahnen oder schwache, unvollständige Schichten. Das beschreibt zunächst nur das Ergebnis. Es verrät nicht, ob der Extruder das Filament nicht zuverlässig greift, der Schmelzfluss stockt oder der Slicer weniger Material anfordert als nötig. Genau deshalb ist eine pauschale Flow-Erhöhung kein guter erster Schritt. Prusa nennt mehrere voneinander unabhängige Fehlerquellen – von der ersten Schicht bis zu Düse und Filament. [Prusa führt diese Ursachenklassen auf](https://help.prusa3d.com/article/under-extrusion_2007?product=mk2-5s).
Förderung: Greift der Antrieb?
Beginne mit dem sichtbaren Filamentweg. Sind Förderrad oder Zahnräder verschmutzt beziehungsweise versetzt? Gibt es Abrieb? Bei einem Drucker mit einstellbarem Idler-Andruck kontrolliere, ob die Einstellung zum Modellhandbuch passt: Sowohl zu lockerer als auch zu fester Andruck kann die Förderung stören. Prusa empfiehlt außerdem, Zahnräder auf Schmutz oder Fehlstellung zu prüfen. Das sind Hinweise zur Eingrenzung, keine allgemeingültigen Schraubenpositionen; Federmechanismen und Sollstellungen unterscheiden sich je nach Drucker. [Prusas Fehlerübersicht behandelt Idler-Spannung und Zahnräder](https://help.prusa3d.com/article/under-extrusion_2007?product=mk2-5s).
Schmelzung und Düse: Fließt das Material gleichmäßig?
Wenn die Förderung am Antrieb plausibel wirkt, untersuche den Hotend-Pfad. Eine teilweise verstopfte oder falsch montierte Düse kann den Durchsatz drosseln; kontrolliere nach einem Düsenwechsel insbesondere, ob sie korrekt sitzt. Prüfe auch, ob der Hotend-Lüfter frei läuft. Prusa weist darauf hin, dass bei mangelnder Kühlung Filament zu weit oberhalb der Düse weich werden kann. Ein Cold Pull kann bei einem korrekt montierten Hotend eine Verstopfung lösen; befolge dafür die passende Anleitung deines Druckermodells und arbeite an heißen Teilen vorsichtig. [Prusas Übersicht nennt Düse, Zahnräder und Kühlung als mögliche Ursachen](https://help.prusa3d.com/article/under-extrusion_2007?product=mk2-5s).
Einstellungen: erst kontrolliert zurücksetzen
Tritt das Problem mit einem bestimmten Profil, Material oder einer hohen Druckgeschwindigkeit auf, setze zunächst auf das passende Standardprofil für Drucker, Düse und Filament zurück. Ändere nur einen Parameter je Vergleich, etwa die Geschwindigkeit oder – innerhalb der Materialempfehlung – die Düsentemperatur. So bleibt erkennbar, ob die Änderung etwas bewirkt. Der Extrusionsmultiplikator ist eine Feinabstimmung, kein Ersatz für eine blockierte Düse oder rutschenden Antrieb. Prusa beschreibt ihn als Flow-Korrektur und betont, dass der passende Wert vom Material abhängt. [Die Kalibrierungsanleitung erklärt Extrusionsmultiplikator und Firmware-Flow](https://help.prusa3d.com/article/extrusion-multiplier-calibration_2257?product=mini-2).
Die erste Schicht separat beurteilen
Sind Lücken ausschließlich am Anfang sichtbar, prüfe die Düsenhöhe statt sofort den Materialfluss insgesamt anzuheben. Eine zu dicht anliegende Düse lässt zu wenig Raum für austretenden Kunststoff; eine durchgehend schwache Förderung auch in späteren Schichten weist dagegen eher auf andere Ursachen. Führe die erste-Schicht-Kalibrierung des jeweiligen Druckers erneut aus, etwa nach einem Düsenwechsel oder Eingriff am Hotend. Verändere Z-Höhe vorsichtig: Übermäßiges „Squish“ behebt keine Förderstörung und kann den Fluss zusätzlich behindern. [Prusa beschreibt den Zusammenhang zwischen Düsenabstand und Materialaustritt](https://help.prusa3d.com/article/first-layer-issues_1804?product=mk3-5s).
Eine kurze Diagnosefolge
Gehe in dieser Reihenfolge vor: Erstens notiere, ob der Fehler die ganze Bahn, nur die erste Schicht oder bestimmte Bereiche betrifft. Zweitens beobachte das Filament am Förderer und prüfe dessen Greifspuren sowie Zahnräder. Drittens kontrolliere Düse, Hotend-Kühlung und korrekte Montage. Viertens lade das passende Standardprofil und ändere Geschwindigkeit oder Temperatur einzeln. Erst wenn Mechanik und Schmelzpfad plausibel sind, prüfe den Flow anhand eines geeigneten Kalibrierverfahrens. Diese Abfolge ist eine praktische Eingrenzung, kein sicherer Ferndiagnosetest: mehrere Ursachen können gleichzeitig auftreten, und die verfügbaren Prüfungen unterscheiden sich nach Druckermodell.