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Wandmaterial und Infill-Material im Mehrmaterialdruck zuweisen

09.10.2026

In PrusaSlicer lassen sich Außenwände, Infill und solides Infill getrennten Werkzeugen zuordnen. Wer Materialwechsel plant, sollte die Feature-Zuweisung von der Bauteil- oder Farbzuweisung unterscheiden und das geslicte Ergebnis prüfen.

Nicht nach Farbe, sondern nach Druckmerkmal zuweisen

Ein Mehrmaterialdruck kann unterschiedliche Aufgaben auf unterschiedliche Filamente verteilen: etwa eine sichtbare Wand aus einem hochwertigen oder farbigen Material und ein weniger sichtbares Innengefüge aus einem anderen. In PrusaSlicer ist dafür die Zuordnung nach Merkmalen wichtig. Perimeter (die Wandlinien), normales Infill und solides Infill sind getrennte Kategorien; sie können jeweils einem Werkzeug beziehungsweise Extruder zugeordnet werden. Die bloße Farbe, die neben einem Extruderprofil angezeigt wird, ist dagegen nur eine Vorschauhilfe. Eine farbige Kennzeichnung in der Oberfläche bedeutet für sich genommen also noch keine Materialumstellung im G-Code. Das vermeidet einen häufigen Denkfehler: „Wand“ ist nicht dasselbe wie „alles außen sichtbar“, und „Infill“ umfasst nicht automatisch alle vollständig gefüllten Bereiche. Solide Deck- und Bodenfüllungen können eine eigene Zuordnung haben. Entscheiden Sie deshalb vor dem Slicen, welche Kategorie tatsächlich das Zielmaterial erhalten soll.

Feature-Zuweisung in PrusaSlicer einrichten

Wählen Sie zunächst ein passendes Druckerprofil mit mehreren Werkzeugen beziehungsweise einem unterstützten Mehrmaterial-System und weisen Sie den verwendeten Filamenten die vorgesehenen Werkzeugnummern zu. Öffnen Sie dann die Druckeinstellungen für mehrere Extruder und setzen Sie den Perimeter-Extruder auf das Material für die Wandlinien. Wählen Sie separat den Infill-Extruder für das normale Füllmuster und – falls gewünscht – einen Extruder für solides Infill. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Version oder Übersetzung, die entscheidende Unterscheidung bleibt aber dieselbe. Ein konkretes Beispiel: Bei einem Gehäuse kann die Außenwand aus einem farblich passenden Filament bestehen, während das reguläre Infill aus einem zweiten Material gedruckt wird. Soll auch die flache obere Deckfläche eine bestimmte Farbe haben, reicht es nicht, nur das normale Infill umzuschalten: Prüfen Sie zusätzlich die Kategorie für solides Infill. Die Zuordnung ist global für dieses Druckmerkmal, nicht zwingend auf einzelne Regionen beschränkt.

Bauteile und bemalte Bereiche sind ein anderer Weg

Die Feature-Zuweisung legt fest, welcher Extruder für eine Art von Druckbahn verwendet wird. Das ist etwas anderes, als einzelne Flächen oder Modellteile mit einer Farbe beziehungsweise einem Material zu bemalen. Prusa dokumentiert außerdem die separate Zuweisung von Werkzeugen zu bemalten Modellen sowie zu importierten Modellen mit getrennten Schalen. Nutzen Sie eine solche Teilzuweisung, wenn nur ein bestimmter Bereich eines Bauteils ein anderes Material erhalten soll; nutzen Sie die Feature-Zuweisung, wenn beispielsweise alle Perimeter und alle Infill-Bahnen unterschiedlich behandelt werden sollen. Nach der Einstellung sollte die Vorschau in der geslicten Ansicht kontrolliert werden: Stimmen Werkzeugfarbe und geplante Bahnen für Wand, normale Füllung und Deckbereiche? Die Vorschaufarbe ist zwar kein physischer Druckbefehl, aber mit korrekt zugeordneten Werkzeugen hilft sie beim Erkennen einer falschen Auswahl. Bei Mehrmaterialsystemen außerdem auf die im Druckerprofil eingerichtete Werkzeug-/Filamentreihenfolge achten.

Materialgrenzen und mechanische Anforderungen

Ein Materialwechsel zwischen Wand und Innengefüge erzeugt eine Grenzfläche; die Materialwahl ist daher nicht nur eine Frage des Aussehens. Unterschiedliche Werkstoffe verbinden sich nicht automatisch gleich gut. Die Prusa-Dokumentation beschreibt für Mehrmaterialdruck zusätzliche Optionen, die Verbindungen zwischen Materialien stärken können; deren Verfügbarkeit hängt jedoch von Slicer-Version und Geometrie ab. Planen Sie zunächst einfache, zusammenhängende Kontaktbereiche, statt aus einer Extruderzuweisung allein auf eine belastbare Verbindung zu schließen. Infill stützt vor allem obere Schichten, die sonst über leere Bereiche gespannt würden. Für die Festigkeit eines Modells nennt Prusa hingegen die Zahl der Perimeter als wichtigeren Hebel. Bei einem beanspruchten Gehäuse ist daher ein sinnvoller Start, die Wandstärke und die Verbindung der Materialien zuerst zu bedenken und die Infill-Zuweisung als ergänzende Designentscheidung zu behandeln.

Slicer-Vorschau als letzte Kontrolle

Vor dem Export den Druck in der Vorschau nach Werkzeug oder Material einfärben und an mehreren Höhen kontrollieren. Achten Sie besonders auf Übergänge zwischen dünnen Wänden, Innenfüllung und den vollständig gefüllten oberen oder unteren Schichten. Falls ein Merkmal unerwartet mit dem falschen Filament erscheint, die jeweilige Extruderzuweisung noch einmal prüfen und erneut slicen. Ändert sich die Geometrie an einer dünnen Stelle, kann die reale Bahnaufteilung von der intuitiven Erwartung abweichen. Die Zuordnung ist eine slicerbezogene Funktion und setzt voraus, dass Drucker, Extruder, Filamente und Mehrmaterialablauf korrekt konfiguriert sind. Sie ersetzt weder die Prüfung, ob die gewählten Werkstoffe miteinander druckbar und ausreichend verbunden sind, noch einen Probedruck bei kritischen Bauteilen. Für rein dekorative Teile kann vor allem die Vorschau stimmen müssen; für funktionale Teile sind Materialkontakt und Wandaufbau genauso wichtig wie die Farbe.

Quellen

  1. Prusa Research – Prusa Knowledge Base
  2. Prusa Research – Prusa Knowledge Base
  3. Prusa Research – Prusa Knowledge Base