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Druckkosten kalkulieren: Material, Maschine und Handarbeit trennen

09.10.2026

Eine belastbare Druckkostenkalkulation trennt verbrauchtes Material, belegte Maschinenzeit und tatsächlich geleistete Handarbeit. So wird sichtbar, welche Annahmen den Stückpreis treiben – und wo ein einfacher Materialpreis-Rechner zu kurz greift.

Warum der Materialpreis nicht der Stückpreis ist

Ein schneller Überschlag – Grammzahl mal Filamentpreis pro Gramm – beantwortet nur die Materialfrage. Wer Aufträge bepreist oder die Wirtschaftlichkeit eines Druckers prüft, braucht mindestens drei getrennte Konten: Material, Maschinenbelegung und Handarbeit. Formlabs weist darauf hin, dass Material und Arbeit die Stückkosten je nach Einsatz und Produktionsbedarf wesentlich beeinflussen. [Formlabs](https://formlabs.com/eu/blog/how-to-calculate-3d-printer-cost/) Die Trennung hilft auch beim Vergleichen: Bleibt ein Auftrag teuer, obwohl der Materialeinsatz gering ist, kann die Ursache in langer Maschinenbelegung oder aufwendiger Nacharbeit liegen.

1. Material: den Slicerwert in Geld übersetzen

Nimm für einen FDM-Auftrag die vom Slicer ausgewiesene Filamentmasse als Ausgangspunkt. Der Prusa-Kalkulator erlaubt, G-Code hochzuladen oder Druckzeit und Filamentgewicht manuell einzutragen. [Prusa](https://blog.prusa3d.com/3d-printing-price-calculator_38905/) Grundrechnung: **Materialkosten = Verbrauch in g ÷ 1.000 × Einkaufspreis je kg.** Rechne mit dem tatsächlich vorgesehenen Material und erfasse Stützmaterial, Rand/Brim und gegebenenfalls Spül- oder Wechselmaterial, falls der Slicer diese nicht bereits in der Gesamtmasse berücksichtigt. Ultimaker nennt Teilegewicht vor der Nachbearbeitung und benötigtes Supportmaterial ausdrücklich als Planungsfragen. [Ultimaker, PDF](https://assets.ctfassets.net/7cnpidfipnrw/1SuqJAFZL7w4scpghUY6Ye/dce94aac109955fc238040d655b274a5/ultimaker-white-paper-3D-printing-total-cost-of-ownership-en.pdf) Setze für Ausschuss keinen pauschalen Fantasiewert als Gewissheit ein. Erfasse zunächst Fehlversuche und Verschnitt über mehrere vergleichbare Aufträge; bis eigene Daten vorliegen, kennzeichne einen angesetzten Zuschlag klar als Annahme. Fehlgeschlagene Drucke können Material und Fehlersuchzeit zusätzlich beanspruchen. [Ultimaker](https://assets.ctfassets.net/7cnpidfipnrw/1SuqJAFZL7w4scpghUY6Ye/dce94aac109955fc238040d655b274a5/ultimaker-white-paper-3D-printing-total-cost-of-ownership-en.pdf)

2. Maschine: belegte Stunden statt Bauchgefühl

Maschinenkosten sind nicht gleich Stromkosten. Führe Strom separat als Leistung × Laufzeit × Tarif (mit passenden Einheiten) und ergänze einen Maschinenstundensatz für Anschaffung und laufenden Verschleiß. Als einfache interne Kalkulation kannst du Anschaffungskosten abzüglich eines angesetzten Restwerts auf die erwarteten produktiven Druckstunden der Nutzungsdauer verteilen; Wartung und Ersatzteile kommen als eigener, nachvollziehbarer Ansatz hinzu. Beispielhafte Formel: **Maschinenanteil = Druckstunden × (jährliche Abschreibung + jährliche Wartungs-/Reparaturreserve) ÷ geplante produktive Maschinenstunden pro Jahr.** Alternativ lässt sich ein stündlicher Satz direkt aus Anschaffung, erwarteter Nutzungsdauer und tatsächlicher Nutzung bilden. Verwende dabei nicht dieselben Kosten zugleich im Stundensatz und als separaten Zuschlag. Der Prusa-Rechner hält Strom sowie Maschinen- und Instandhaltungskosten getrennt und sieht außerdem Felder für Druckerpreis und Amortisationsdauer vor. [Prusa](https://blog.prusa3d.com/3d-printing-price-calculator_38905/) Wichtig ist die Auslastung: Teilen sich wenige Aufträge die Maschinenstunden, trägt jedes Teil einen größeren Anteil der Fixkosten. Deshalb den verwendeten Jahresstundenwert dokumentieren und regelmäßig an die tatsächliche Nutzung anpassen – nicht mit theoretischer 24/7-Laufzeit rechnen.

3. Handarbeit: aktive Minuten erfassen

Die Druckzeit ist keine Arbeitszeit. Erfasse nur die Minuten, in denen jemand tatsächlich am Auftrag arbeitet: Datei prüfen und slicen, Druckbett vorbereiten, Material laden, Start kontrollieren, Teil entnehmen, Stützen entfernen, reinigen oder schleifen. Multipliziere diese aktive Zeit mit dem angesetzten internen Stundensatz (Minuten ÷ 60 × Satz). Der Prusa-Rechner trennt Vorbereitung von Nachbearbeitung und behandelt Arbeitskosten als eigene Position. [Prusa](https://blog.prusa3d.com/3d-printing-price-calculator_38905/) Nicht jede unbeaufsichtigte Druckstunde bindet eine Person. Sie gehört in die Maschinenzeit; Überwachung oder Eingriffe gehören zusätzlich zur Handarbeit, sofern sie wirklich stattfinden. Bei wiederholten Jobs lohnt es sich, einmal die typischen Tätigkeiten und Minuten zu notieren, statt jede Kalkulation aus dem Gedächtnis zu schätzen.

Ein Beispiel mit offen gelegten Annahmen

Angenommen, der Slicer kalkuliert **120 g** Gesamtfilament und **8 Druckstunden**. Das Material koste im Einkauf **24 €/kg**. Für den Auftrag seien **20 Minuten** Vorbereitung und **15 Minuten** Nacharbeit nötig; intern wird Handarbeit mit **30 €/h** angesetzt. Ein Beispiel-Maschinenstundensatz sei **1,50 €/h**, Strom werde für dieses Beispiel separat mit **0,10 €** angesetzt. Dann ergeben sich: Material 120 ÷ 1.000 × 24 = **2,88 €**; Maschine 8 × 1,50 = **12,00 €**; Handarbeit 35 ÷ 60 × 30 = **17,50 €**; Strom **0,10 €**. Summe der hier berücksichtigten Herstellkosten: **32,48 €**. Sämtliche Preise, Zeiten und der Stundensatz in diesem Rechenbeispiel sind frei gewählte Annahmen, keine Marktpreise. Verpackung, Versand, Gebühren, Steuern, Gewinnmarge sowie ein tatsächlich gemessener Ausschussanteil sind noch nicht enthalten. Der Slicerwert für Gewicht und Zeit ist eine Planungsgrundlage, keine Garantie für den realen Auftrag. [Prusa](https://blog.prusa3d.com/3d-printing-price-calculator_38905/)

Vor dem Angebot: Doppelzählungen und Grenzen prüfen

Vor dem Übernehmen in ein Angebot prüfe drei Punkte: Erstens, ob Support oder Brim im Gewicht des Slicers stecken. Zweitens, ob Strom bereits in deinem Maschinenstundensatz steckt. Drittens, ob Nachbearbeitung als aktive Handarbeit und nicht nochmals als pauschaler Zeitaufschlag erfasst wurde. Die Eingabestruktur des Prusa-Kalkulators – Filament, Strom, Arbeits- und Maschinenkosten – ist ein nützliches Muster für diese Trennung. [Prusa](https://blog.prusa3d.com/3d-printing-price-calculator_38905/) Die Beispielrechnung ist für einen Materialextrusionsdruck gedacht. Bei Resin- oder Pulverbettverfahren können Materialreste, Reinigung, Aushärtung und weitere Prozessschritte anders ins Gewicht fallen. Und Herstellkosten sind noch kein Verkaufspreis: Marge, Gemeinkosten und steuerliche Behandlung hängen vom konkreten Geschäft ab. Berechne deshalb erst sauber die Kostenbasis und entscheide getrennt, welche Zuschläge dein Angebot benötigt.

Quellen

  1. Original Prusa
  2. Formlabs
  3. Ultimaker