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Extruderförderung messen: E-Steps und Rotation Distance richtig einstellen

09.10.2026

Mit einer langsamen Fördermessung lässt sich die Extruderkalibrierung an die tatsächlich transportierte Filamentlänge anpassen. Der Ablauf hängt von der Firmware ab: Marlin verwendet E-Steps pro Millimeter, Klipper die Rotation Distance. Entscheidend sind ein reproduzierbarer Messaufbau, die passende Korrekturformel und das anschließende Speichern des Werts.

Was die Fördermessung korrigiert – und was nicht

E-Steps und Rotation Distance beschreiben dieselbe mechanische Beziehung aus zwei Blickwinkeln: Wie weit soll das Filament laufen, wenn der Motor eine bestimmte Bewegung ausführt? Marlin gibt diesen Wert als Schritte pro Einheit an; Klipper beschreibt ihn als Filamentweg je Motorumdrehung. Die Bezeichnungen sind firmwareabhängig und nicht als austauschbare Zahlenwerte zu behandeln. Eine Messung gleicht den tatsächlichen Filamenttransport des konkreten Extruders ab. Sie ersetzt weder die korrekte Filamentdurchmesser-Einstellung im Slicer noch eine Prüfung von Temperatur, Düse oder Materialfluss. Auch ist ein einmal ermittelter Wert nicht zwangsläufig universell: Der Eingriff der Förderzahnräder kann sich mit Extruder und Filament ändern.

Vorbereitung: reproduzierbar und ohne unnötigen Gegendruck

Führen Sie die Prüfung mit geladenem Filament und auf geeigneter Extrusionstemperatur durch. Markieren Sie das Filament mit ausreichend Abstand zum Einlass des Extruders und messen Sie die Ausgangsdistanz sorgfältig; eine digitale Schieblehre ist hilfreich. Klipper beschreibt eine Markierung ungefähr 70 mm vom Extruderkörper entfernt und empfiehlt, 50 mm langsam zu fördern. In diesem Ablauf lautet die Bewegungsfolge G91 und danach G1 E50 F60; warten Sie, bis der Vorschub vollständig beendet ist. Vermeiden Sie für diesen Test einen schnellen Extrude-Knopf an der Oberfläche: Hohe Geschwindigkeit kann den Druck im Extruder erhöhen und dadurch das Resultat verzerren. Halten Sie Finger und lose Gegenstände von beweglichen Teilen fern.

Nachmessen und den Korrekturfaktor berechnen

Messen Sie nach dem Vorschub die verbleibende Distanz zwischen Extruderkörper und Markierung. Die tatsächlich transportierte Länge ergibt sich aus Ausgangsdistanz minus Restdistanz. Beispiel: Eine anfangs 70 mm entfernte Marke steht anschließend 22 mm vom Körper entfernt; damit wurden rechnerisch 48 mm statt der angeforderten 50 mm bewegt. Der Quotient aus tatsächlich und angefordert beträgt 48/50 = 0,96. Bei Klipper multiplizieren Sie den bisherigen Rotation-Distance-Wert mit diesem Quotienten. Betrüge der bisherige Wert beispielsweise 7,00 mm, ergäbe sich 7,00 × 48 / 50 = 6,72 mm. Runden Sie nach der Klipper-Anleitung auf drei Dezimalstellen. Weicht der Messwert um mehr als etwa 2 mm von der Sollstrecke ab, wiederholen Sie die Prüfung, bevor Sie den Wert übernehmen.

Marlin: E-Steps aktualisieren und sichern

Bei Marlin lesen Sie den aktuellen E-Wert über M92 ohne Parameter oder, je nach Version, über M503 aus. Berechnen Sie den neuen Wert mit derselben Verhältnislogik: bisherige E-Steps × angeforderte Strecke / tatsächlich geförderte Strecke. Im Beispiel mit 50 mm Soll und 48 mm Ist wird ein alter E-Wert also mit 50/48 multipliziert; bei 415 E-Steps ergibt das rund 432,3 E-Steps/mm. Setzen Sie den berechneten Wert mit M92 E432.3. Das ist kein universeller Sollwert, sondern nur das Rechenbeispiel für diese angenommene Messung. Prüfen Sie anschließend die Ausgabe. Marlin dokumentiert, dass M92 zunächst nur den flüchtigen Speicher ändert; sofern EEPROM-Einstellungen verfügbar und aktiviert sind, sichern Sie mit M500 und kontrollieren Sie danach erneut.

Wert plausibilisieren und Grenzen erkennen

Eine gute Fördermessung ist langsam, wiederholbar und auf den Filamentweg bezogen. Wiederholen Sie sie bei unerwartet großer Abweichung, schwankender Markierung oder sichtbarem Rutschen des Filaments. Bleibt die Abweichung trotz Wiederholung bestehen, prüfen Sie zuerst Greifer, Andruck, Filamentweg und mögliche Verstopfung, statt einen extremen Zahlenwert blind zu übernehmen. Die Klipper-Dokumentation weist ausdrücklich darauf hin, dass der wirksame Eingriff der Förderzahnräder sogar zwischen Filamentrollen variieren kann. Ein korrekt abgeglichener Extruder sagt deshalb nicht automatisch voraus, dass jede Druckgeschwindigkeit, jedes Material oder jede Düse denselben Volumenstrom liefert.

Quellen

  1. Klipper documentation
  2. Marlin Firmware
  3. Marlin Firmware