Purge-Line und Skirt: zwei Aufgaben beim Druckstart
09.10.2026
Eine Purge-Line ist meist eine vom Start-G-Code ausgelöste Extrusionsspur; ein Skirt ist eine Kontur um das Druckobjekt. Beide können den Start unterstützen, aber auf unterschiedliche Weise.
Ähnliche Linien, anderer Ursprung
Purge-Line und Skirt liegen beide auf der Druckplatte und können wie einfache Linien wirken. Entscheidend ist jedoch, woher sie kommen und wofür sie gedacht sind. Ein Skirt ist eine Kontur, die der Slicer um die Modelle legt und vor dem Modell druckt. Eine Purge-Line ist dagegen üblicherweise eine Startsequenz im Maschinen-G-Code: Der Drucker extrudiert Filament auf einer festgelegten Bahn, bevor die eigentlichen Modellbahnen beginnen. OrcaSlicer führt eine solche Linie als Beispiel einer benutzerdefinierten Purge-Sequenz im Start-G-Code auf ([OrcaSlicer: Machine G-code](https://github.com/OrcaSlicer/OrcaSlicer/wiki/printer_machine_gcode)).
Was der Skirt beim Druckstart leistet
Der Skirt begleitet den Start nahe am Objekt. Seine Extrusion kann den Filamentfluss vor dem Modell stabilisieren; zugleich ist die erste Linie ein gut sichtbarer Hinweis darauf, ob das Material auf der Platte hält oder auffällig gequetscht wird. Prusa beschreibt den Skirt ausdrücklich als Möglichkeit, die Erstschichthaftung zu prüfen ([Prusa: Skirt and Brim](https://help.prusa3d.com/article/skirt-and-brim_133969?product=mk2-5s)). Das macht ihn zu einer kleinen Sichtkontrolle, nicht aber zu einer automatischen Kalibrierung: Wenn die Linie nicht haftet, sollte man den Start nicht einfach ignorieren und darauf hoffen, dass das Modell besser haftet.
Wofür eine Purge-Line da ist
Eine Purge-Line dient typischerweise dazu, vor dem Modell Material aus der Düse zu fördern und an einer dafür vorgesehenen Stelle abzulegen. Im OrcaSlicer-Beispiel fährt der Drucker dazu neben den Bereich der ersten Schicht und extrudiert eine festgelegte Filamentlänge ([OrcaSlicer: Machine G-code](https://github.com/OrcaSlicer/OrcaSlicer/wiki/printer_machine_gcode)). Länge, Position und Ablauf sind deshalb keine universellen Eigenschaften jeder Purge-Line: Sie hängen von Start-G-Code, Druckerprofil und Bauraum ab. Bei individuellen Startsequenzen ist wichtig, dass die Bahn tatsächlich auf der Platte liegt und nicht mit dem Modell oder Klammern kollidiert.
Warum die Linie nicht jede Spülaufgabe ersetzt
Der Begriff „Purge“ kann außerdem das Spülen nach einem Filamentwechsel meinen. Das ist eine andere Situation als das Vorbereiten der Düse zu Druckbeginn. Prusa erklärt, dass beim Filamentwechsel noch geschmolzenes Material in der Düse verbleiben kann und die Farbe des extrudierten Materials beim Nachschieben allmählich wechselt ([Prusa: Purging volumes](https://help.prusa3d.com/article/purging-volumes-mmu_125097?product=mmu1)). Eine kurze Startlinie beweist daher nicht, dass ein späterer Farbwechsel ausreichend gespült wird; dafür sind die Wechsel- und Spüleinstellungen des Mehrmaterial-Workflows maßgeblich.
Praktischer Ablauf: beides sinnvoll einsetzen
Bei einem gewöhnlichen Einfarbdruck kann die Purge-Line den ersten Materialfluss aufnehmen, während ein Skirt anschließend eine Kontur um das Werkstück zeichnet und eine zusätzliche Gelegenheit zur Sichtkontrolle bietet. Prüfe beim Start nacheinander: Ist die Purge-Line vollständig und gleichmäßig? Haftet die Skirt-Linie durchgehend, ohne Lücken oder starkes Aufwölben? Liegt das Objekt danach sicher auf? Wenn im Slicer oder Profil bereits eine Purge-Line aktiviert ist, muss ein zusätzlicher Skirt nicht zwangsläufig dieselbe Aufgabe noch einmal erledigen; er kann trotzdem nützlich sein, wenn du die erste Schicht beobachten oder bei mehreren Modellen den Bereich um die Konturen prüfen willst. Umgekehrt ersetzt ein Skirt keine Spülmenge, die bei einem Farb- oder Materialwechsel erforderlich ist. Einstellungen und Reihenfolge variieren je nach Drucker und Slicer, also vor Änderungen am Start-G-Code zunächst die Vorschau und das Profil prüfen.